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Von Wolfgang Mayr

400 Nationalparks unterstehen erstmals in ihrer Geschichte einem Nachfahren der Ureinwohner. Präsident Biden und seine Innenministerin Deb Haaland machen es möglich.

Charles F. „Chuck“ Sams wird als Angehöriger der Cayuse und Walla-Walla eine indigene Perspektive in den National Park Service einbringen, schreibt die online-Zeitung „Indian Country Today“. Zu diesem Park Service gehören 400 Nationalparke, Denkmäler und 300.000 Bedienstete. Nach der Zustimmung durch den Senat vereidigte Innenministerin Deb Haaland Charles Sams auf den Stufen des Lincoln Memorial in Washington, D.C.

Sams ist in Bürger der konföderierten Stämme der Umatilla Indian Reservation (CTUIR), einer Konföderation der Stämme Cayuse, Umatilla und Walla Walla. Er hatte mehrere Führungspositionen in der Konföderation und lebte viele Jahre in dem Reservat am Fuße der Blue Mountains im Osten Oregons.

In mehreren Interviews mit Underscore.news kündigte Sams an, dass seine Behörde die Geschichte der amerikanischen Ureinwohner in den 423 Nationalparks in Mittelpunkt ihrer Erzählung stellen wird. „Wir sind alle noch lebende Kulturen“, sagte Sams. „Ich denke, dass es eine Gelegenheit für uns gibt, über die Geschichte zu sprechen, wo wir heute stehen.“ Die Geschichte der amerikanischen Ureinwohner muss erzählt werden, „wir werden uns nicht vor den negativen Teilen unserer Geschichte drücken“, sagte Sams.

In seiner Eigenschaft als Leiter des NPS ist Sams auch an der Umsetzung des Great American Outdoors Act und des Infrastrukturgesetzes beteiligt. Neben Initiativen zur Klimaresilienz und der Beseitigung von Altlasten sieht das Infrastrukturgesetz die Modernisierung von NPS-Straßen, Brücken, Wegen und Transitsystemen vor.

 

Siehe auch:

Now sworn in, first Native parks director faces ‘a huge task’ – Indian Country Today

First Native to head the National Park Service – Indian Country Today

National Park Service nominee faces questions in Senate hearing – Indian Country Today

 

Sams, der in Staats- und Stammesregierungen sowie in gemeinnützigen Rohstoff- und Naturschutzmanagements gearbeitet hat, war zuletzt Mitglied des Northwest Power and Conservation Council von Oregons Gouverneurin Kate Brown. Sams studierte an der Concordia University in Portland und an der University of Oklahoma.

Sams‘ erste Erinnerung an den Besuch eines Nationalparks war als 5-Jähriger, als seine Eltern während einer Sommerreise am Grand Canyon Halt machten, um die Familie seiner Mutter in Arizona zu besuchen. Seitdem hat er viele Nationalparks besucht, hauptsächlich im Westen der USA. Underscore sagte Sams, dass Geschichten über amerikanische Ureinwohner in den meisten Nationalparks nur mit ein paar Sätzen oder mit einem Absatz abgehandelt werden.

Als positiven Ansatz würdigt Sams die Whitman Mission (National Historic Site in der Nähe von Walla Walla, Washington). Dort wird auch über das Massaker auf der Whitman Mission (1847) ausführlich informiert. In der Whitman Mission ging der National Park Service eine Partnerschaft mit den konföderierten Stämmen der Umatilla Reservation ein. Die Geschichte des Massakers wird aus zwei Seiten betrachtet und erzählt.

Ausgegangen ist die Initiative von Cecilia Bearchum und Marjorie Wahaneka (Älteste der konföderierten Stämme des Umatilla-Reservats). Ihre Mission war Information, lobt Sams die beiden engagierten Frauen, die die Geschichte auch aus der Sicht der Nachfahren der Massaker-Opfer erzählen wollten. Sein Vorbild, unterstreicht Sams, für seine künftige Arbeit.

Unterstützung erhält Sams von Innenministerin Haaland, die eine enge Zusammenarbeitzwischen ihrer Behörde und den Reservaten anstrebt. Sams will, so sagt er im Interview, die Stämme überzeugen, dass sie ihre Geschichten erzählen, wie sie sie erzählen wollen. Seine Behörde bietet sich den Reservats-Verwaltungen als Partner an.

 

Siehe auch
Secretary Deb Haaland on Twitter: „I’m thrilled Chuck Sams has joined us as Director of @NatlParkService. Chuck understands the importance of connecting people to nature. Under his leadership, the National Park Service will continue to protect our public lands for generations to come. 

 

Die Geschichte der Nationalparks ist ein Ausdruck des anglo-amerikanischen Kolonialismus. Die neuen Herren vertrieben die Stammesvölker aus jenen Regionen, die als Nationalparks ausgewiesen wurden. Die Reste der aufgelassenen Dörfer waren noch bis in die 1960er Jahre zu sehen. Die Dörfer verschwanden, nicht aber die Rechte. Die Angehörigen der Stammes-Nationen dürfen zwar dort nicht jagen und fischen, sie versammeln sich aberimmer noch in diesen Parks, erzählt Sams im Interview. Tatsächlich gibt es mehrere Vereinbarungen zwischen dem National Park Service und den Stämmen. Diese garantieren, dass die Stammes-Mitglieder Früchte und Heilkräuter sammeln können, für Gebete und Zeremonien in den Parks.

In Alaska ist die American Indian Alaska Native Tourism Association deutlich weiter. Die Stämme profitieren von den Nationalparks, von den BesucherInnen. „Ich denke, es gibt großartige Möglichkeiten für Stämme, Erzähler in Parks zu bringen, um über die Geschichte zu sprechen – vom Beginn der Zeit bis heute. Es gibt Möglichkeiten, in den Parks Kunst und Handwerk zu betreiben, einheimische Fähigkeiten zu zeigen und zu demonstrieren, sei es mit Federkiel- oder Perlenarbeit, wie Handwerker Steine formen können“.

Der NPS hilft bei der Umsetzung von sanften Tourismusprojekten indigener Gemeinden an wilden und malerischen Flüssen. „Wir arbeiten an Kulturerbegebieten, damit die Stämme ihre Kultur und ihr Erbe in ihrer Region fördern können“. Sams zitiert die Klamath und ihre Schöpfungsgeschichte über den Crater Lake. Es geht um Wizard Island, als sie am Crater Lake aus der Erde kamen. Und in Fort Astoria gibt es die Diskussion darüber, wann die „Entdecker“ Lewis und Clark dort ankamen und die  Nehalem und die Tillamook in diesem Gebiet trafen. Am Columbia River geht es um die Chinook und den Handel, den sie anfangs mit den Entdeckern betrieben und um die Erkenntnis, dass diese Expedition diesen harten Winter nicht überlebt hätte, wenn die Stämme nicht geholfen hätten.

Am Columbia-River lernten die „Entdecker“, die den Weg für die Eroberer ausfindig machten, wie der Fluss befahren werden kann. Mit langen Kanus, um den Stromschnellen zu widerstehen.

Die mehr als 400 Naturparke umfassen insgesamt 85 Millionen Hektar. Weit mehr als die Hälfte befindet sich in Alaska. Sams weist darauf hin, dass in Alaska die Landfrage grundlegend anders geregelt wurde als in den übrigen 49 Bundesstaaten. In Alaska verwalten Native Corporations indigenes Land (mehr darüber in einem nächsten Artikel).

Sams will das Direktor der Park-Verwaltung für die strikte Umsetzung geltender indigener Landrechte sorgen. Die entsprechenden Bundesgesetze sind nur bruchstückhaft umgesetzt worden, kritisiert Park-Chef Sams die Vorgänger-Regierungen. Leider wurden diese gesetzlichen Vorgaben einfach ignoriert, zum Schaden der tribal nations, findet Sams. Er hofft auf US-Präsident Biden und seine Puebla-Innenministerin Deb Haaland.

 

Quelle:

Indian Country Today

 

Weiter Informationen:

Das ausführliche Interview mit Charles F. „Chuck“ Sams können Sie auf Underscore nachlesen. Das gemeinnützige Portal Underscore berichtet über und aus Reservaten und urbanen indigenen Zentren. Underscore finanziert sich über Spenden Stiftungen, Unternehmen und LeserInnen.

Über die Arbeit des US-National Park Service:
NPS.gov Homepage (U.S. National Park Service).

Die übergeordnete Behörde des NPS und der Reserate ist das Innenministerium von Deb Haaland:
Secretary Deb Haaland | U.S. Department of the Interior (doi.gov)