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Von Wolfgang Mayr

Der britische Schriftsteller und Comedian David Baddiel mischt sich mit seinem Buch „Und die Juden?“ ironisch und polemisch in die totalitär geführte Diskussion um Identitätspolitik und Diskriminierung ein.

Baddiel richtet sich direkt an die progressive Linke – er versteht sich als Linker – mit der Frage, warum sie in ihrem Kampf für Minderheiten die Juden vergessen haben? Weltweit wabert der Antisemitismus durch die Gesellschaften, nicht nur in Deutschland ist der Judenhass tödlich. Die linke Solidarität erschöpft sich dann in peinlichen Allgemeinplätzen, befindet man sich doch im Kampf mit den Palästinensern gegen das zionistische Israel. Der Antizionismus ist also doch die linke Variante des Antisemitismus.

Im Interview mit der „Jüdischen Allgemeinen“ zitiert Baddiel als Beispiel die britische Labour Party, die im letzten Wahlkampf mit antisemitischen Versatzstücken hantiert hat.  Antizionistisch verpackt, aber reiner Antisemitismus, für dieses Verschwommene macht Baddiel die Linke verantwortlich.

Der Hanser-Literaturverlag schreibt: „Dieses Buch richtet sich an alle Menschen mit gutem Gewissen. Natürlich sind sie gegen Homophobie, Rassismus und andere Arten der Diskriminierung. Sicher sind sie auch gegen Antisemitismus in jeder Form. Aber zählen Juden wirklich genauso in den Debatten der Gegenwart?“ Nein, ist die Antwort, in den von den angeblichen Antirassisten totalitär geführten Identitäts-Debatten kommen Juden ganz einfach nicht vor, außer als zionistische Gewalttäter in israelischer Uniform.

Baddiel fragt in seinem Buch in Richtung links: „Gelten Juden wirklich als handfest bedroht, genau wie andere Minderheiten? Und falls nicht – warum?“ In den späten 1960er Jahren zählten in den USA Jüdinnen und Juden zu den treibenden Kräften der Bürgerrechtsbewegung, in der Regenbogenkoalition der vielen Minderheiten und ihrer UnterstützerInnen in der demokratischen Partei. Jüdische AnwältInnen verteidigten schwarze BürgerrechtlerInnen und AktivistInnen der verschiedenen American Indian Movements.

Das ist Vergangenheit, „Juden zählen nicht für die Progressiven, die Linken und Leute, die von Identitätspolitik besessen sind,“ bedauert Baddiel im Gespräch mit der „Jüdischen Allgemeinen“. Mit seiner Kritik an der Identitätspolitik ist nicht Baddiel nicht allein. Die französische Journalistin Caroline Fourest kritisierte die IdentitätsfanatikerInnen als eine beleidigte Generation, die „Salonkolumnistin“ Judith Sevnic Basad versah ihre Kritik an der beleidigten Generation mit dem Titel „Schäm dich“.

Und die Juden? von David Baddiel – Buch | Thalia

David Baddiel über Juden und Diskriminierung – 3sat-Mediathek

Und die Juden? | Jüdisches Museum Berlin (jmberlin.de)