Spanien zündelt in der Westsahara: Anerkennung der Pläne Marokkos provoziert Sahrauis

Spanien hat zum ersten Mal den von Marokko ausgearbeiteten Plan für die Verwaltung der Westsahara anerkannt. Die ehemalige spanische Kolonie fordert seit fünf Jahrzehnten die Unabhängigkeit – etwas was von Marokko strikt abgelehnt wird

From the #saharawi refugee camps, A message of gratitude to the #European_Court . Desde los campamentos de refugiados saharaui, mensaje de agradecimiento al #Tribunal_europeo

Von Jan Diedrichsen

Noch im September holte sich die Europäische Union eine schallende Ohrfeige vor dem Europäischen Gerichtshof. Die Richter kassierten ein Agrar- und Fischereiabkommen, das Marokko erlaubt hätte, Waren aus der Westsahara in die EU-Mitgliedsstaaten zu exportieren. Bereits 2018 hatten die Richter in Luxemburg im Streit um die Gültigkeit eines EU-Fischereiabkommens mit Marokko in einem Urteil bekräftigt, dass die Westsahara nicht Teil des Staatsterritoriums Marokkos sei.

 

Hintergrund von VOICES-Experte Thomas Benedikter:

HINTERGRUND von Thomas Benedikter: Ein Staat bietet Autonomie – Marokko und die Westsahara (Teil 1)

HINTERGRUND von Thomas Benedikter: Ein Staat bietet Autonomie – Marokko und die Westsahara (Teil 2)

 

Die Gesellschaft für bedrohte Völker fordert seit Jahren, dass das völkerrechtlich verbriefte Recht auf Selbstbestimmung endlich zur Anwendung gelangt und ein Referendum über die Unabhängigkeit der Westsahara für Klarheit sorgen muss.

Seit Jahren streiten Sahrauis und Marokko über die Nutzung von Ressourcen in der besetzten Westsahara. Während das Königreich davon ausgeht, alle natürlichen Bodenschätze und Ressourcen ohne Auflagen nutzen zu können, werfen die Sahrauis Marokko vor, ein völkerrechtswidrig besetztes Territorium auszubeuten.

Die Anerkennung Spaniens, das ein gewisses Maß an Autonomie im Herrschaftsbereich Marokkos ausreichen muss, haben Vertreter der Polisario-Front, eine separatistischen Bewegung der Sahrauis, umgehend zurückgewiesen.

Marokkanische Streitkräfte besetzten die Westsahara, nachdem sich Spanien 1975 aus dem Gebiet zurückgezogen hatte. Die Polisario-Front erklärte die Unabhängigkeit und nannte das Gebiet „Demokratische Arabische Republik Sahara“. Am Ende des darauf folgenden 16-jährigen Krieges blieb der größte Teil des Gebiets in marokkanischer Hand. Seitdem sind immer wieder Kämpfe ausgebrochen. Das Versprechen, ein Referendum abzuhalten, das Teil des Waffenstillstandsabkommens von 1991 war, wurde trotz wiederholter Gespräche unter UN-Vermittlung nicht umgesetzt.

Marokko betrachtet die an Bodenschätzen reiche Westsahara als seine „südlichen Provinzen“ und lehnt jegliche Maßnahmen ab, die es als Bedrohung seiner territorialen Integrität betrachtet. Marokko annektierte die ehemalige spanische Kolonie im Jahr 1975 und bekämpft seitdem die Unabhängigkeitsbewegung der Polisario-Front.

Siehe auch:

„Es ist besser zu kämpfen“: Junge Sahrauis drängen auf Widerstand

Sahrauis

Die Sahrauis leben im westlichen Teil der Wüste Sahara, in Südmarokko, einem Großteil Mauretaniens und den äußersten Südwesten Algeriens. Wie bei den meisten in der Sahara lebenden Völkern ist die saharauische Kultur eine Mischung aus berberischen, afrikanischen und arabischen Elementen. Sie weist hauptsächlich Kernmerkmale der Berber mit arabischen Kulturelementen auf. Die privilegierte Stellung der Frauen in den saharauischen Stämmen ist eine berberische Tradition, die der Ankunft des Islam und der Araber vorausging, sowie Merkmale, die den ethnischen Gruppen der Sahelzone gemeinsam sind. Die Saharauis setzen sich aus vielen Stämmen zusammen und sprechen größtenteils den Hassaniya-Dialekt des Arabischen, und einige von ihnen sprechen in Marokko noch Berberisch.

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