Serbische Panzer an der Grenze

Nimmt Serbien den russischen Eroberungskrieg in der Ukraine zum Vorbild?

Von Wolfgang Mayr

EU-Beitrittskandidat Serbien zeigt militärische Stärke an der Grenze zum Kosovo. Im Schatten des russischen Krieges in der Ukraine lässt die serbische Regierung ihre Panzer rollen. Diese Manifestation serbischer Präsenz ist kein Zufall. Am 3. April wird in Kosovo ein neues Parlament gewählt. Abgewanderten Kosovo-Serben dürfen nicht wählen. Dieses Wahl-Verbot, eine nicht nachvollziehbare Entscheidung, nimmt Serbien zum Anlass, Kosovo unmissverständlich zu drohen.

Serbien betrachtet Kosovo nach wie vor als eigenen Landesteil, lehnt die Unabhängigkeit strikt ab. In den letzten Wochen demonstrierten in Kosovska Mitrovica, einer serbisch dominierten Stadt im Norden des Kosovo, serbische Bürger gegen den Kosovo-Premier Albin Kurti. Die Demonstranten warfen ihm vor, mit seiner Politik die Beziehungen zwischen Serbien und dem Kosovo verschlechtert zu haben. Es gibt nur einen Präsidenten, skandierten die Protestierenden, und der heißt Vucic. Alexander Vucic ist der Präsident Serbiens.

Anlass für die Proteste war die Abberufung eines serbischen Richters am Gericht in Mitrovica. Die Kosovo-Regierung begründete ihre Aktion mit dem Hinweis, der Richter war Mitglied einer serbischen Verhandlungsdelegation aus Belgrad. Beide Seiten, die serbische und die kosovarische, setzten augenscheinlich nicht auf Dialog.

Serbien heizt die Spannung nun zusätzlich an. Im Internet sind Bilder über Militär-Fahrzeuge an der serbisch-kosovarischen Grenze online gestellt worden. Die italienische Tageszeitung „Il Giornale“ vermutet, dass Serbien seit Monaten den Aufmarsch seiner Truppen plant. Das Vorbild ist bekannt, Russland probte vor der Weltöffentlichkeit die Invasion der Ukraine. Kopiert Serbien nun Russland? Setzt Belgrad auf seine militärische Überlegenheit, um das kosovarische Unabhängigkeitsprojekt zu beenden? Ist das Kosovo jetzt das Labor für Bosnien, für den Anschluss der serbischen Kantone an Serbien?

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