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„Jesiden in der Sindschar-Region auf der Flucht: Machtpolitik auf dem Rücken der Bevölkerung“

VOICES-Kolumne im "Der Nordschleswiger": Aktuell spielt sich – weitestgehend von der Weltöffentlichkeit unbeobachtet – ein Drama ab, das schlimmste Erinnerungen an das Jahr 2014 weckt. Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden sind zum Spielball internationaler sowie regionaler Interessen geworden und fürchten um ihr Leben, schreibt Jan Diedrichsen in seiner Kolumne.

Krimtatare inhaftiert, weil er die Wahrheit über den Krieg berichtet

Viele Krimtataren haben bereits nach dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2014 und die Besatzung der Krim ihre Heimat verlassen. Die GfbV hat in der Zeit der beginnenden russischen Aggression intensiv das Schicksal der Krimtataren begleitet. Heute sind die Krimtataren beinah gänzlich aus dem Fokus verschwunden Der Druck auf die verbliebenden politischen Akteure bleibt jedoch enorm.

Der chilenische Verfassungskonvent beschließt erste Artikel

Der chilenische Verfassungskonvent hat nach sechsmonatiger Arbeit die ersten Artikel für die neue Verfassung beschlossen. Kaum vorgelegt, sorgen die Entwürfe für Aufregung, ist doch von Justizsystemen die Rede. Die Mapuche beispielsweise drängen auf ihre autonome Gerichtsbarkeit. Der Konvent scheint das selbstgesetzte Ziel anzustreben, die Plurinationalität und damit die Anerkennung der Ureinwohner.

Von Tjan Zaotschnaja

Das Justizministerium der Russischen Föderation hat die Nichtregierungsorganisation (NRO) aus der Republik Altai – „Tuba Kalyk“ („Tubalaren“) – in das Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Die Einordnung als „ausländische Agenten“ hat erhebliche Auswirkungen auf die Arbeit von Organisationen in Russland und wird bevorzugt vom Kreml genutzt, Opposition und Kritiker zum Schweigen zu bringen.

 

VOICES berichtet:

Stepan Petrov, ein „ausländischer Agent“ bittet Mark Zuckerberg um Hilfe: Russland drangsaliert seine KritikerInnen

Willkürjustiz in Russland: Verfahren gegen den jakutischen Aktivisten Stepan Petrov eingeleitet

Russland unterdrückt Meinungsfreiheit: Jakutischer Menschenrechtsaktivist Stepan Petrov ein „ausländischer Agent“

Radiosendung der Regionalgruppe München der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)  

 

Die Republik Altai liegt im südwestlichen Sibirien. Sie grenzt an Kasachstan, China und die Mongolei. Die Tubalaren sind eines der ältesten indigenen Völker Sibiriens, im Norden der autonomen russischen Republik beheimatet. Sie sprechen Tubalarischen, eine Turksprache, die vom Aussterben bedroht ist. Nach der letzten Volkszählung zählen sie noch 1965 Personen.

Die Organisation „Tuba Kalyk“ wurde im Jahr 2013 gegründet. Auf der Gründungsversammlung erklärten die Mitglieder die dringende Notwendigkeit, die „heiligen Orte und die heilige Zeder“ zu bewahren, die „während der Sowjetära fast komplett abgeholzt wurden“, sowie die „Kultur, die Traditionen und die Sprache der Tubalaren“ zu retten.

Der Verein veröffentlicht unter anderem Wörterbücher, Bücher zum Sprachenlernen auf Tubalarisch und Alphabete für Kinder. In ihrer Facebook-Gruppe berichtet Tuba Kalyk über den Zustand der Wälder, den Goldabbau und andere Umweltprobleme in der Region und weisen dabei auch auf die Probleme anderer kleiner Völker hin.

Warum das russische Justizministerium die in der Altai-Republik tätige Organisation in sein Register der ausländischen Agenten aufgenommen hat, bleibt derweil unklar.

Auf der Webseite der Organisation „Tuba Kalyk“ („Tubalaren“) kommentierte die Älteste der Tubalaren A.S. Todozhokova die Situation ihres Volkes, der Kommentar wurde allerdings von Organisatoren gleich nach dem 3.2.2022 wieder entfernt.

Wir zitieren auszugsweise:

„WO IST DIE VOLKSZÄHLUNG IN DER REPUBLIK ALTAI GEBLIEBEN?

Die gesamtrussische Volkszählung der Russischen Föderation ist abgeschlossen, auch in der Republik Altai, und sie verlief nicht ohne Überraschungen, auch bei den indigenen Völkern. … Meiner Meinung nach sind die Ergebnisse der Volkszählung gefälscht worden. Plötzlich stellte sich heraus, dass es sich bei einigen indigenen Völkern nicht um eigenständige Völker handelt. Glaubt man den Statistiken, so besteht die ethnische Zusammensetzung der Republik Altai nur aus Altaiern. Und Telengiten, Tubalaren, Tschelkanen, Kumandinen verschwanden aus irgendeinem Grund aus dem politischen Feld der Altai-Republik, ohne dass es eine Vereinbarung mit den Indigenen selbst gab, ohne jegliche Rechtsgrundlage.

Wir wollen den Status der Republik Altai erhalten, aber nicht auf diese Weise.

Daher muss die Assoziation der indigenen Völker der Republik Altai die Gerechtigkeit wiederherstellen und beim Föderalen Staatlichen Statistikdienst der Russischen Föderation eine Erklärung über die Unzulässigkeit der Fälschung der Ergebnisse der Volkszählung 2021 über die ethnische Zusammensetzung der Republik Altai einreichen.

Ich appelliere an alle indigenen Minderheiten in der Republik Altai. Diskutieren Sie unsere ambivalente Situation in Gemeinschaften und Organisationen. In Russland sind wir als indigene Völker registriert, aber in der Republik Altai existieren wir (rechtlich) nicht.“

 

Eine weitere Sorge von „Tuba Kalyk ist die Brektschia-Goldlagerstätte. Sie liegt am Fluss Tschurja im Bezirk Turotschak, acht Kilometer vom Telezkoje-See entfernt, dem zweitgrößten Süßwasserbecken Russlands nach dem Baikalsee.

Im Jahr 2021 fanden in dem Bezirk öffentliche Anhörungen statt, um den Bau einer Goldverarbeitungsanlage in unmittelbarer Nähe des Biosphärenreservats zu diskutieren. Alle Bewohner waren dagegen. Tair Bodroshev, ein weiterer Vertreter der Tubalaren: „Wir wollen hier nicht nur Bodenabbau und eine Mondlandschaft wie im Kuzbass haben.“

Am 3. Februar, dem Tag, an dem der Name der Organisation im Register der ausländischen Agenten auftauchte, wurde auf der Facebook-Seite von Tubalary ein Brief des World Wide Fund (WWF) veröffentlicht. Im Brief wurde vorgeschlagen, ein Moratorium für die Erteilung von Lizenzen für das Schürfen, die Exploration und die Gewinnung von Seifengold an Flüssen zu erlassen.

Laut Bordroshev erhielt die Organisation Tuba Kalyk zwar einen Zuschuss vom World Wildlife Fund, aber auch der Präsident der Republik Altai unterzeichnete ein Abkommen mit dem World Wildlife Fund über den Schutz der Wälder. Und die tubalarische Aktivisten haben sich daran beteiligt. Tair Bodroschev: „Wir spionieren nicht, wir schützen den Wald!“

Webseite der Organisation „Tuba Kalyk“ („Tubalaren“)

 

Weitere Quellen:

https://indigenous-russia.com/archives/18650

«Нам теперь говорят, вы шпионы»: НКО алтайского народа тубаларов признали «инагентом»