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„Jesiden in der Sindschar-Region auf der Flucht: Machtpolitik auf dem Rücken der Bevölkerung“

VOICES-Kolumne im "Der Nordschleswiger": Aktuell spielt sich – weitestgehend von der Weltöffentlichkeit unbeobachtet – ein Drama ab, das schlimmste Erinnerungen an das Jahr 2014 weckt. Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden sind zum Spielball internationaler sowie regionaler Interessen geworden und fürchten um ihr Leben, schreibt Jan Diedrichsen in seiner Kolumne.

Krimtatare inhaftiert, weil er die Wahrheit über den Krieg berichtet

Viele Krimtataren haben bereits nach dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2014 und die Besatzung der Krim ihre Heimat verlassen. Die GfbV hat in der Zeit der beginnenden russischen Aggression intensiv das Schicksal der Krimtataren begleitet. Heute sind die Krimtataren beinah gänzlich aus dem Fokus verschwunden Der Druck auf die verbliebenden politischen Akteure bleibt jedoch enorm.

Der chilenische Verfassungskonvent beschließt erste Artikel

Der chilenische Verfassungskonvent hat nach sechsmonatiger Arbeit die ersten Artikel für die neue Verfassung beschlossen. Kaum vorgelegt, sorgen die Entwürfe für Aufregung, ist doch von Justizsystemen die Rede. Die Mapuche beispielsweise drängen auf ihre autonome Gerichtsbarkeit. Der Konvent scheint das selbstgesetzte Ziel anzustreben, die Plurinationalität und damit die Anerkennung der Ureinwohner.

From the #saharawi refugee camps, A message of gratitude to the #European_Court . Desde los campamentos de refugiados saharaui, mensaje de agradecimiento al #Tribunal_europeo

Von Jan Diedrichsen

Noch im September holte sich die Europäische Union eine schallende Ohrfeige vor dem Europäischen Gerichtshof. Die Richter kassierten ein Agrar- und Fischereiabkommen, das Marokko erlaubt hätte, Waren aus der Westsahara in die EU-Mitgliedsstaaten zu exportieren. Bereits 2018 hatten die Richter in Luxemburg im Streit um die Gültigkeit eines EU-Fischereiabkommens mit Marokko in einem Urteil bekräftigt, dass die Westsahara nicht Teil des Staatsterritoriums Marokkos sei.

 

Hintergrund von VOICES-Experte Thomas Benedikter:

HINTERGRUND von Thomas Benedikter: Ein Staat bietet Autonomie – Marokko und die Westsahara (Teil 1)

HINTERGRUND von Thomas Benedikter: Ein Staat bietet Autonomie – Marokko und die Westsahara (Teil 2)

 

Die Gesellschaft für bedrohte Völker fordert seit Jahren, dass das völkerrechtlich verbriefte Recht auf Selbstbestimmung endlich zur Anwendung gelangt und ein Referendum über die Unabhängigkeit der Westsahara für Klarheit sorgen muss.

Seit Jahren streiten Sahrauis und Marokko über die Nutzung von Ressourcen in der besetzten Westsahara. Während das Königreich davon ausgeht, alle natürlichen Bodenschätze und Ressourcen ohne Auflagen nutzen zu können, werfen die Sahrauis Marokko vor, ein völkerrechtswidrig besetztes Territorium auszubeuten.

Die Anerkennung Spaniens, das ein gewisses Maß an Autonomie im Herrschaftsbereich Marokkos ausreichen muss, haben Vertreter der Polisario-Front, eine separatistischen Bewegung der Sahrauis, umgehend zurückgewiesen.

Marokkanische Streitkräfte besetzten die Westsahara, nachdem sich Spanien 1975 aus dem Gebiet zurückgezogen hatte. Die Polisario-Front erklärte die Unabhängigkeit und nannte das Gebiet „Demokratische Arabische Republik Sahara“. Am Ende des darauf folgenden 16-jährigen Krieges blieb der größte Teil des Gebiets in marokkanischer Hand. Seitdem sind immer wieder Kämpfe ausgebrochen. Das Versprechen, ein Referendum abzuhalten, das Teil des Waffenstillstandsabkommens von 1991 war, wurde trotz wiederholter Gespräche unter UN-Vermittlung nicht umgesetzt.

Marokko betrachtet die an Bodenschätzen reiche Westsahara als seine „südlichen Provinzen“ und lehnt jegliche Maßnahmen ab, die es als Bedrohung seiner territorialen Integrität betrachtet. Marokko annektierte die ehemalige spanische Kolonie im Jahr 1975 und bekämpft seitdem die Unabhängigkeitsbewegung der Polisario-Front.

Siehe auch:

„Es ist besser zu kämpfen“: Junge Sahrauis drängen auf Widerstand

Sahrauis

Die Sahrauis leben im westlichen Teil der Wüste Sahara, in Südmarokko, einem Großteil Mauretaniens und den äußersten Südwesten Algeriens. Wie bei den meisten in der Sahara lebenden Völkern ist die saharauische Kultur eine Mischung aus berberischen, afrikanischen und arabischen Elementen. Sie weist hauptsächlich Kernmerkmale der Berber mit arabischen Kulturelementen auf. Die privilegierte Stellung der Frauen in den saharauischen Stämmen ist eine berberische Tradition, die der Ankunft des Islam und der Araber vorausging, sowie Merkmale, die den ethnischen Gruppen der Sahelzone gemeinsam sind. Die Saharauis setzen sich aus vielen Stämmen zusammen und sprechen größtenteils den Hassaniya-Dialekt des Arabischen, und einige von ihnen sprechen in Marokko noch Berberisch.