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„Jesiden in der Sindschar-Region auf der Flucht: Machtpolitik auf dem Rücken der Bevölkerung“

VOICES-Kolumne im "Der Nordschleswiger": Aktuell spielt sich – weitestgehend von der Weltöffentlichkeit unbeobachtet – ein Drama ab, das schlimmste Erinnerungen an das Jahr 2014 weckt. Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden sind zum Spielball internationaler sowie regionaler Interessen geworden und fürchten um ihr Leben, schreibt Jan Diedrichsen in seiner Kolumne.

Krimtatare inhaftiert, weil er die Wahrheit über den Krieg berichtet

Viele Krimtataren haben bereits nach dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2014 und die Besatzung der Krim ihre Heimat verlassen. Die GfbV hat in der Zeit der beginnenden russischen Aggression intensiv das Schicksal der Krimtataren begleitet. Heute sind die Krimtataren beinah gänzlich aus dem Fokus verschwunden Der Druck auf die verbliebenden politischen Akteure bleibt jedoch enorm.

Der chilenische Verfassungskonvent beschließt erste Artikel

Der chilenische Verfassungskonvent hat nach sechsmonatiger Arbeit die ersten Artikel für die neue Verfassung beschlossen. Kaum vorgelegt, sorgen die Entwürfe für Aufregung, ist doch von Justizsystemen die Rede. Die Mapuche beispielsweise drängen auf ihre autonome Gerichtsbarkeit. Der Konvent scheint das selbstgesetzte Ziel anzustreben, die Plurinationalität und damit die Anerkennung der Ureinwohner.

Von Wolfgang Mayr

Die 71-jährige Anna Nerkagi erzählt über Frost und Schnee, über Rentiere, über einen Mann und drei Frauen. Die Nenzin Nerkagi lädt zum Eintauchen in ihre Welt ein. 1977 erschien eine erste autobiographische Erzählung, vor dreißig Jahren gründete sie eine Schule für Nenzen-Kinder. Auch das Buch „Weiße Rentierflechte“ spielt in der Welt des Nomadenvolkes.

Die Geschichte gebündelt in „Lesenswert Kritik“ vom SWR2: „Aljoschka wartet auf seine Jugendliebe Ilné, wird aber von seiner Mutter mit einer anderen Frau verheiratet. Ein Witwer hadert mit dem Alleinsein. Ein Rentierzüchter muss seine Herde schlachten, um seine Kinder auszuzahlen. Schweigsame Männer und große Gefühle in einem nenzischen Nomadencamp in der sibirischen Tundra“.

Bayern2 fand einen anderen Zugang zum Roman: „Uralte Gesetze bestimmen das Leben der Nenzen, einem zum Teil noch nomadisch lebenden Volk aus Nordsibirien. Wer dagegen rebelliert, gerät in Konflikt mit den Älteren. Davon erzählt der spannende Roman „Weiße Rentierflechte“.

Im kleinen ABC des nenzischen Lebens gibt es eine ganze Reihe von Hintergrundinformationen. Zehn Prozent der mehr als 44.000 Nenzen lebt noch von der Rentier-Haltung. 2016 sollen die Tierzüchter im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen und im Autonomen Kreis der Nenzen mehr als 880.000 Rentiere gehalten haben.

Inzwischen lebt ein großer Teil der Nenzen in festen Siedlungen und kleineren Städten. In der Sowjet-Ära galt das Nomadentum als rückständig, das konsequent bekämpft wurde. Die Behörden nahmen den Nenzen ihre Kinder weg und „kasernierten“ sie in weit entfernt gelegenen Internatsschulen. Damit sollten die Kinder von den nenzischen Kultur und Sprache abgekoppelt werden. Ähnlich wie in den USA und in Kanada vor mehr 100 Jahren versuchte der Sowjetstaat die sibirischen kleiner Völker zu assimilieren.

Trotzdem, laut dem erwähnten ABC ist die nenzische Sprache vital, es wird gesprochen und auch als Amtssprache verwendet.

Existenziell bedroht werden die Nenzen heute durch die Förderung der Erdöl- und Erdgasvorkommen. Dabei werden Weidegebiete zerstört, Zugrouten der Rentier unterbunden, die Umwelt wegen der rabiaten Förderung von Erdöl und Erdgas nachhaltig verschmutzt.

Ein Zitat aus dem ABC des nenzischen Lebens: „Auf der Halbinsel Jamal wird das Erdgas gefördert, mit dem über die Nordstream-Erdgasleitungen 1 und 2 Teile Europas versorgt werden“. Der westliche Energiehunger trägt zur Zerstörung der Welt der Nenzen bei.