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„Jesiden in der Sindschar-Region auf der Flucht: Machtpolitik auf dem Rücken der Bevölkerung“

VOICES-Kolumne im "Der Nordschleswiger": Aktuell spielt sich – weitestgehend von der Weltöffentlichkeit unbeobachtet – ein Drama ab, das schlimmste Erinnerungen an das Jahr 2014 weckt. Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden sind zum Spielball internationaler sowie regionaler Interessen geworden und fürchten um ihr Leben, schreibt Jan Diedrichsen in seiner Kolumne.

Krimtatare inhaftiert, weil er die Wahrheit über den Krieg berichtet

Viele Krimtataren haben bereits nach dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2014 und die Besatzung der Krim ihre Heimat verlassen. Die GfbV hat in der Zeit der beginnenden russischen Aggression intensiv das Schicksal der Krimtataren begleitet. Heute sind die Krimtataren beinah gänzlich aus dem Fokus verschwunden Der Druck auf die verbliebenden politischen Akteure bleibt jedoch enorm.

Der chilenische Verfassungskonvent beschließt erste Artikel

Der chilenische Verfassungskonvent hat nach sechsmonatiger Arbeit die ersten Artikel für die neue Verfassung beschlossen. Kaum vorgelegt, sorgen die Entwürfe für Aufregung, ist doch von Justizsystemen die Rede. Die Mapuche beispielsweise drängen auf ihre autonome Gerichtsbarkeit. Der Konvent scheint das selbstgesetzte Ziel anzustreben, die Plurinationalität und damit die Anerkennung der Ureinwohner.

Sergei Kechimov. Hüter des Sees Imlor. Foto von Denis Sinykov

Von Tjan Zaotschnaja
 
Der Imlor-See, in dessen Nähe Sergei Kechimov lebt, ist nach der Gesetzgebung des Autonomen Bezirks als ein Kulturerbe der Chanten und Mansen anerkannt und nach dem Glauben der Chanten ist der See heilig und wird für rituelle Zwecke genutzt.
 
Die Chanten bilden gemeinsam mit den Mansen die indigene Bevölkerung der früher als Jugirien be-kannte Region im westsibirischen Tiefland. Die Chanten sprechen eine zum finnougrischen Zweig der uralischen Sprachen gehörende ugrische Sprache. Die ursprünglichen Pferdezüchter vom oberen Irtysch wurden zu Jägern und Rentierzüchtern und kamen im 11. Jahrhundert mit den Russen in Kontakt. Im 16. Jahrhundert gelangten sie unter russische Herrschaft. Ihre kulturelle Existenz ist durch die Ölindustrie des Gebietes bedroht.
 
Am 13. September 2021 rief Sergei Kechimov Sayana Mongush, eine Journalistin aus Tuwa, an und berichtete, dass Unbekannte in der Nähe seines Lagers aufgetaucht seien, die Wälder fällten und das Gelände räumten. Es handelte sich um fünf nicht identifizierte Männer, die einen Traktor benutzten, um ihre Arbeit zu erledigen. Kechimov erklärte, dass es sich dabei um „Ölarbeiter“ handelte, über deren Arbeit in der Nähe seines Lagers sich Sergei beschwert hatte (der Konzern Surgutneftegaz fördert Öl in dieser Region).
 
Sergej Kechimov zufolge hielt einer der Arbeiter sein Auto an und stürzte sich sofort auf ihn. Bei dem anschließenden Handgemenge schlugen drei der Angreifer Kechimov. Die Arbeiter, die ihn angegriffen hatten, erstatteten jedoch ihrerseits Anzeige bei der Polizei. Nach einiger Zeit traf die Polizei im Lager von Sergei Kechimov ein. Sie forderten ihn auf, ihnen seine Waffe zu zeigen, und nach einer Überprüfung wurde die Waffe beschlagnahmt.
 
Später erfuhr die Journalistin Sayana Mongush, dass ein Strafverfahren gegen Sergei Kechimov eingeleitet worden sei, welches offiziell von den Behörden bestätigt wurde.
 
Bereits 2017 wurde der 65-jährige Sergei Kechimov, ein Rentierzüchter, der als Schamane bezeichnet wird und der letzte Hüter des „Heiligen Sees Imlor“ ist, wegen eines Konflikts mit Vertretern des Ölkonzerns Surgutneftegas verurteilt. Sergei Kechimov wurde für schuldig befunden, Mitarbeiter von Surgutneftegas mit dem Tode bedroht zu haben. Er wurde zu Zwangsarbeit verurteilt. Kechimov wurde später aufgrund einer Amnestie von der Verbüßung seiner Strafe befreit.
 
Damals berichteten zahlreiche russische und internationale Medien über den Prozess und bezeichneten das Strafverfahren gegen Kechimov als Druckmittel des Ölkonzerns Surgutneftegaz auf die Chanten, um sie von ihrem angestammten Land zu vertreiben, das der Konzern für die Ölförderung benötigt.
 
Siehe auch: