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Von Jan Diedrichsen

Der Militärcoup in Burma (Myanmar) im Februar dieses Jahres und die Inhaftierung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi dominieren die Berichterstattung über das südostasiatische Land. Das Schicksal der über eine Million Rohingya-Flüchtlinge, die unter erbärmlichsten Bedingungen in Massenflüchtlingslagern in Bangladesch darben, findet kaum mehr Beachtung.

 

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Die Lage in Burma ist katastrophal. Die Militärjunta und ihre Streitkräfte haben mehr als 1.100 Menschen ermordet, mehr als 10.000 willkürlich inhaftiert und mehr als 230.000 Zivilisten gewaltsam vertrieben. Kinder bleiben davon nicht verschont. Bis Juli 2021 hatte die Junta 75 Kinder im Alter von 14 Monaten bis 17 Jahren getötet.

Das Land besteht aus zahlreichen Volksgruppen. Die meisten der bewaffneten ethnischen Organisationen kämpfen seit Jahrzehnten immer wieder gegen die Zentralregierung für mehr Autonomie. Mehrere aufständische Gruppen, insbesondere die Kachin Independence Army und die Karen National Liberation Army, haben als Reaktion auf den Putsch ihre Angriffe gegen das burmesische Militär wieder aufgenommen bzw. verstärkt.

Die englischsprachige BBC hat heute in einer Dokumentation über schlimmste Folter und Hinrichtungen berichtet, die von den Machthabern nicht einmal bestritten werden.

 

VOICES berichtet:

Schauprozess und kaltblütig morden: In Burma setzt das von China gesponserte Militärregime auf entgrenzte Gewalt

 

Im Schatten dieser Monstrosität verharren die rund eine Million Rohingya, die nach pogrom-artigen Übergriffen des burmesischen Militärs 2017 das Land flohen, in Flüchtlingslagern in Bangladesch und wollen trotz der katastrophalen Lage in Burma vor allem eins: nach Hause. Dies berichtet Tom Andrews, der Sonderbeauftragter der UNO für die Menschenrechtslage in Burma in einem umfangreichen Bericht. Während seines Besuchs in Bangladesch traf der UN-Gesandte auch mit Geflüchteten zusammen, die auf die etwa 60 Kilometer vom Festland entfernte, überschwemmungsgefährdete Insel Bhasan Char umgesiedelt wurden.

„Fast alle Rohingya, mit denen ich auf dieser Mission gesprochen habe, ob in den Lagern von Kutupalong oder auf Bhasan Char, wollen nach Hause zurückkehren, sobald sie dies freiwillig, sicher, nachhaltig und in Würde tun können“, sagte Andrews. Er verweist in seinem Bericht jedoch darauf, dass die unerbittlichen Angriffe der Militärregierung gegen die eigene Bevölkerung sowie die systematischen ethnischen Säuberungen im Rakhine-Staat bis heute andauern und eine Rückkehr daher nicht möglich sei.

Als Antwort auf die Frage, was die Weltgemeinschaft, was die Vereinten Nationen machen könnten, um das Leiden der Rohingya zu beenden, erklärt der Sonderberichterstatter, dass die internationale Gemeinschaft, die Einnahmequellen des Militärs in Myanmar blockieren sollte. Eine von den Vereinten Nationen unterstützte Untersuchung im Jahr 2018 empfiehlt bereits die strafrechtliche Verfolgung der obersten Militärkommandeure Myanmars wegen Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit der Gewalt gegen die Rohingya. Doch solange China eine schützende Hand über die Generäle hält und diese militärisch obsiegen, sieht es für die Opposition, die Volksgruppen im Land und die Rohingya in den Flüchtlingslagern äußerst schlecht aus.