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„Jesiden in der Sindschar-Region auf der Flucht: Machtpolitik auf dem Rücken der Bevölkerung“

VOICES-Kolumne im "Der Nordschleswiger": Aktuell spielt sich – weitestgehend von der Weltöffentlichkeit unbeobachtet – ein Drama ab, das schlimmste Erinnerungen an das Jahr 2014 weckt. Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden sind zum Spielball internationaler sowie regionaler Interessen geworden und fürchten um ihr Leben, schreibt Jan Diedrichsen in seiner Kolumne.

Krimtatare inhaftiert, weil er die Wahrheit über den Krieg berichtet

Viele Krimtataren haben bereits nach dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2014 und die Besatzung der Krim ihre Heimat verlassen. Die GfbV hat in der Zeit der beginnenden russischen Aggression intensiv das Schicksal der Krimtataren begleitet. Heute sind die Krimtataren beinah gänzlich aus dem Fokus verschwunden Der Druck auf die verbliebenden politischen Akteure bleibt jedoch enorm.

Der chilenische Verfassungskonvent beschließt erste Artikel

Der chilenische Verfassungskonvent hat nach sechsmonatiger Arbeit die ersten Artikel für die neue Verfassung beschlossen. Kaum vorgelegt, sorgen die Entwürfe für Aufregung, ist doch von Justizsystemen die Rede. Die Mapuche beispielsweise drängen auf ihre autonome Gerichtsbarkeit. Der Konvent scheint das selbstgesetzte Ziel anzustreben, die Plurinationalität und damit die Anerkennung der Ureinwohner.

Von Wolfgang Mayr

Der Regenwald am Kongo war in den vergangenen Jahren Schauplatz mörderischer Kämpfe. Der von den USA gestützte Diktator Mobutu regierte mit harter Hand das Land. Die Rebellen um Kabila stürzten nach einem gewalttätigen Aufstand 1997 den Diktator. Es folgte ein langjähriger Bürgerkrieg, an dem sich viele afrikanische Staaten beteiligten. Die TAZ beschrieb in einem Dossier diesen Bürgerkrieg als Afrikanischen Weltkrieg. Heute wird das Land geplündert.

Das Land der Bantu am großen Fluss wurde drei Jahrhunderte lang von arabischen und europäischen Sklavenhändlern geplündert. Menschen wie Land. Das Königreich Belgien „übernahm“ nach der internationalen Kongo-Konferenz in Berlin 1884 das Land als Privatbesitz der belgischen Krone. Die Freihandelspolitik des belgischen Königs war katastrophal. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft brach zusammen, Millionen Menschen sollen an Hunger gestorben sein. Kongo wurde unter der belgischen Krone restlos ausgeraubt, die Menschen schikaniert und ausgebeutet. Zwischen 1880 und 1920 halbierte sich laut wikipedia die Bevölkerung des Kongo. Von 20 Millionen Einwohnern starben über zehn Millionen durch Gewaltverbrechen der belgischen Kolonialherren, Hunger, Entkräftigung durch sklavische Ausbeutung und Krankheiten.

Der Unabhängigkeitspolitik Patrice Lumumba scheiterte nach dem übereilten Abzug der Belgier mit seinen Reformen, das ethnisch zerrissene Land fand nicht zur Ruhe. Die USA unterstützten den putschenden Mobutu, der sich gegen den Lumumba-Verbündeten Kabila durchsetzte. Die äußert brutal geführten Kämpfe traumatisierten die Bevölkerung.

Damals war im Regenwald am Kongo auch Che Guevara bei den Rebellen unterwegs. In seinem afrikanischen Tagebuch beschreibt der Revolutionär aus Argentinien den Rebellen Kabila als gewalttätig, blutrünstig und menschenverachtend. Kabila verjagte den im Korruptionssumpf gefangenen Diktator Mobutu. Eine Serie von Gewalttaten folgte der Entmachtung.

Trotzdem kam das Land nicht zur Ruhe. Mehrere afrikanische Staaten, besonders die Nachbarn im Osten, mobilisierten für ihre ethnischen Verbündeten im Kongo. Ein Beispiel – der Krieg zwischen Tutsi und Hutu in Ruanda wurde in den Kongo getragen. Der Bürgerkrieg zwischen den verschiedenen Ethnien und ihren ausländischen Partnern erschütterte wegen seiner grenzenlosen Gewalttätigkeit die Republik. US-Außenministerin Madeleine Albright bezeichnete die bis 2008 anhaltenden Kriege als „Ersten Weltkrieg in Afrika“. Mehr als fünf Millionen Menschen kamen ums Leben.

Ein erschöpftes Land, in dem regionale Rebellengruppen der unterschiedlichen Nationalitäten und die kongolesische Armee weiterhin die verschiedenen Bevölkerungsgruppen schikanieren und terrorisieren. Das Ausmaß an sexualisierte Gewalt ist erschreckend. Laut dem Deutschlandfunk soll es mehr 200.000 Vergewaltigungsopfer geben. Rebellen wie Armee-Soldaten sehen in den Frauen eine Beute, sie vergewaltigten gezielt ihre Opfer. Diese überbordende sexuelle Gewalt ist eine Waffe im Krieg um die profitablen Rohstoffvorkommen in der sogenannten Demokratische Republik Kongo.

Reporter Til Biermann beschreibt für den Blog Salonkolumnisten das Plündern der Rohstoffe im Kongo. Es geht dabei um Kobalt. Biermann: „Kobalt ist Bestandteil unser Handy- und E-Auto-Akkus. Die Demokratische Republik Kongo (80 Millionen Einwohner) hat riesige Bodenschätze, 60 Prozent des weltweiten Kobaltbedarfs kommen von hier, das Meiste geht nach China“.

Siehe: Für 20 Cent am Tag: Das brutale Schuften in Kongos Minen – Salonkolumnisten

Die GfbV und die Solidaritätsarbeit für den Kongo: Kongo (gfbv.de)