Podcast – Thomas Benedikter – Autonomie Ist Machbar (Teil 3)

Von Wolfgang Mayr

 

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Viele Konflikte weltweit könnten friedlich beigelegt werden. Auf Augenhöhe und gerecht. Das sagt der Bozner Sozialwissenschaftler Thomas Benedikter. Für ethnische Konflikte zwischen Zentralstaaten und Minderheitenregionen gibt es ein erprobtes Instrument und das schon seit 100 Jahren. Die Autonomie. Benedikter verweist auf die 100-jährige Territorialautonomie der Aland-Inseln in Finnland, eines der Themen in seinem Buch „Autonomie weltweit“. Autonomie verschafft Teilhabe, Mitbestimmung, Gleichberechtigung und gesellschaftliche „Normalität“ für sprachliche und nationale Außenseiter, für sprachlich und kulturell Marginalisierte:

Was kann nun Autonomie, die Frage Thomas Benedikter. Er zitiert ein Beispiel, Korsika, die französische Insel im Mittelmeer, die kleinere Schwester von Sardinien. Auf beiden sprachlich verwandten Inseln schrumpft die Zahl der Muttersprachler. Den sprachlichen Zustand auf Korsika beschreibt Benedikter folgendermaßen:

Die Lösung – Korsika stellvertretend für viele andere Minderheitenregionen – für dieses Problem ist die Territorialautonomie, ergänzt der Sozialwissenschaftler. Benedikter sagt auch, mit der Selbstverwaltung können viele weitere Problemen angegangen werden:

Um die Gleichwertigkeit herzustellen, zwischen Staatssprache und Minderheitensprache, ist ein langer Weg zu gehen, ist Benedikter überzeugt. Die Sprachenerosion ist ähnlich schwierig zu stoppen wie von Viren provozierte Krankheiten:

Ein Blick auf die andere Seite der Welt, nach Chile, zu den Mapuche. Diese Ureinwohner kämpfen um ihre Rechte, wie das Recht auf Muttersprache und deren amtliche Anerkennung, um Landrechte. Die Sprache der Mapuche ist seit Beginn der spanischen Kolonialisierung zusammengeschrumpft, gefährlich zusammengeschmolzen:

Die Mapuche haben sich für ihren Kampf um sprachliche, kulturelle, soziale und wirtschaftliche Gleichberechtigung ein Vorbild aus Europa zum Ziel genommen, die autonome Region Katalonien in Spanien:

Mit der Autonomie gelang es in Katalonien, das katalanische Sprachensterben – erzwungen vom faschistischen Frankismus – zu stoppen, eine Gegenbewegung einzuleiten, erklärt Thomas Benedikter:

Dem Staat Israel gelang es, die einstige Ritualsprache Hebräisch zu einer lebendigen Alltag- und Staatssprache aufzurüsten. Anderswo scheint dies schwieriger zu sein. Die Republik Irland bekennt sich zu ihren gälischen Sprachwurzeln, auch Schottland und Wales. Die Revitalisierung gelang nur bruchstückhaft:

In Schottland fördert die Regionalregierung der schottischen Nationalpartei SNP die gälischen Sprachinseln, in Wales einigten sich kürzlich Labor und die walisische Nationalpartei Plaid Cymru auf die gezielte Unterstützung der gälischen Sprache, die im Norden des Landes noch immer Alltagssprache ist:

Was hat Autonomie mit Sezession zu tun, warum verweigern Staaten Minderheiten Autonomie? Mehr darüber in der nächsten Folge des Voices-Podcast mit Sozialwissenschaftler Thomas Benedikter.

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