MIDAS – MINDERHEITENMEDIEN VEREINIGT EUCH

Es war schon bezeichnend. Der Europarat musste seine Mitgliedsstaaten auffordern, Informationen über Covid 19 auch in den Minderheiten-Sprachen zu veröffentlichen. Dafür plädierten auch der Hohe Kommissar für nationale Minderheiten der OSZE und der UN-Sonderberichterstatter für Minderheiten. Die Appelle wurden überhört, nicht gehört. Den Minderheiten wurden also wichtige Informationen in der eigenen Muttersprache vorenthalten.

Marc Röggla, Generalsekretär von Midas, der Vereinigung der Minderheitenzeitungen, kommentiert die Aufforderung: „Für viele Europäerinnen und Europäer sind Minderheitenmedien die einzige Informationsquelle in der jeweiligen Muttersprache. Sie sind dabei nicht nur Informationslieferanten, sondern geben Minderheiten eine Stimme und sind für den Erhalt der Sprache und somit für die Vielfalt Europas unverzichtbar. Sie sind es, die jetzt auch die Aufgabe vieler Staaten übernehmen und die notwendige Übersetzung der Covid-19 Maßnahmen in die verschiedenen Minderheiten- und Regionalsprachen vornehmen.“

Röggla verweist auch darauf, dass die Pandemie viele Zeitungen der Minderheiten in wirtschaftliche Schwierigkeiten brachte. Ein großer Teil der Werbeeinnahmen brach weg, auch die Zustellung erfolgte nur noch sporadisch. Die Krise wurde damit verschärft.

Die Vereinigung von Tageszeitungen in Minderheiten- und Regionalsprachen Midas vertritt 26 Minderheitenzeitungen. Ihr Sitz ist derzeit in Bozen am „Center for Autonomy Experience“ der Europäischen Akademie. Midas drängt die Intergruppe für traditionelle Minderheiten im Europäischen Parlament zum Handeln. Midas ersuchte um Unterstützung bei den Druckkosten. Zudem sollte im reichlich ausgestatteten Covid 19-Budget der EU auch eine Passage über die Förderung der Minderheitenmedien vorgesehen werden.Aufgefordert wurde die EU auch, Covid-Informationen als Werbeschaltungen in den Minderheitenzeitungen zu veröffentlichen.

Midas wurde 2001 von Chefredakteur*innen aus mehr als 10 Sprachgemeinschaftengegründet. Der Dachverband soll vernetzen, fördern und unterstützen. Einen großen Wert legt Midas auf die Aus- und Weiterbildung von Jung-JournalistInnen, um damit auch die Zukunft der Minderheitenzeitungen zu sichern. Die Vereinigung versucht auch zz helfen, wenn Zeitungen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken. Midas kritisierte vor einigen Jahren die vom spanischen Staat erzwungene Schließung der baskischen Zeitung Egin.

EU-Budget für Minderheitenmedien

Midas wird unterstützt von der autonomen Region Südtirol-Trentino in Italien und der Europäischen Akademie der Südtiroler Landesregierung. Die Zeitungen der deutschen Minderheiten werden vom deutschen Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart betreut. Midas wirbt nun dafür, dass die EU künftig die Minderheitenmedien fördert, nicht einzelne Staaten. Laut Midas ist eine EU-Richtlinie zu Finanzierungsmöglichkeiten notwendig. Ihre Unterstützung ist eine notwendige Dienstleistung für die Angehörigen der Minderheiten. Dazu zählt auch der Ausbau des digitalen Angebots auf den sozialen Medien.

Auf einer Midas-Tagung warb Peter Huncik, Psychiater und Angehöriger der ungarischen Minderheit in der Slowakei, für ein EU-Förderprogramm zugunsten der Minderheitenzeitungen. Es gehe um sprachliche und mediale Vielfalt. Huncik warnte davor, die Förderung den „Mutterländern“ der Minderheiten zu überlassen. Die Ungarn in der Slowakei werden beispielsweise von Ungarn unterstützt, sagte Huncik, Budapest würde aber nur die „guten Ungarn“, sprich die nationalistischen, fördern. Die europäische Gesetzgebung in diesem Bereich ist laut Huncik ungenau, nicht präzise, spreche nur Empfehlungen aus, nichts sei bindend und in Sachen Länge und Form der Gurken sei sie viel entschiedener.

Midas fördert in Zusammenarbeit mit dem International Press Institute gemeinsame Berichterstattungsprojekte und Stipendien für Nachwuchs-JournalistInnen. Das aufgelegte Programm NewsSpectrum strebt Partnerschaften zwischen Minderheitenmedien an, einschließlich Migrant*innen-Medien, und Mehrheitsmedien in der EU.

Für Midas-Generalsekretär Röggla ist NewsSpectrum eine Gelegenheit für einen weiterführenden Austausch zwischen Minderheiten- und Mehrheitsmedien. Auf diese Weise können beide Seiten voneinander lernen, Partnerschaften ausbauen und langfristig Kooperationen verstärken. So wird dieses Projekt die europäische Medienlandschaft positiv prägen.“

IPI mit Sitz in Wien ist ein globales Netzwerk von Redakteur*innen, Medienmanager*innen und führenden Journalist*innen Pressefreiheit und unabhängigem Journalismus. IPI leitet auch den „Investigative Journalism for Europe“ Fonds (IJ4EU), der 2020 mehr als 1 Million Euro an Fördermitteln für grenzüberschreitende Projekte des investigativen Journalismus in Europa bereitstellte.

Kontakt:

(IPI) – Milica Miletic, mmiletic@ipi.media

(MIDAS) – Anna-Kira Pirhofer, annakira.pirhofer@eurac.edu

 

European Association of Daily Newspapers in Minority and Regional Languages – Midas (midas-press.org)

 

Showtime für Südtirols Autonomie – Eurac Research

Autonomy Experience Südtirol – The Center for Autonomy Experience is a contact point, which focuses on activities and initiatives related to South Tyrolean autonomy and minority protection.

Institute for Minority Rights (eurac.eu)

Institute for Studies on Federalism and Regionalism (eurac.eu)

Institute for Regional Development and Location Management (eurac.eu)

Midas: Europäische Minderheitenzeitungen im Verbund , von Jan Diedrichsen, 28.4.2014 (gfbv.it)

Die Vereinigung von Tageszeitungen (Midas) als gesamteuropäisches Netzwerk von Printmedien der Minderheiten (gfbv.de)

Gold für die Kleinen – taz.de

 

 

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