Matt Monfore raus

Die Oglala werfen einen Missionar samt seiner Kirche aus ihrem Pine Ridge-Reservat

Von Wolfgang Mayr

Der Stammesrat der Oglala-Lakota hat die Konsequenzen gezogen und eine christlich-fundamentalistischen Hassprediger aufgefordert, das Reservat zu verlassen. Matt Monfore ist ein Angehöriger der  Jesus is King Mission und soll Stimmung gegen die traditionelle Lakota-Religion betrieben haben.

Monfore und die Jesus is King Mission verteilten im Reservat Broschüren, in denen die Kultur und die Religion der Oglala dämonisiert wird, begründet Stammespräsident Kevin Killer den Rauswurf des Missionars.

Der Stammesrat forderte alle Kirchen und Missionare auf, sich registrieren und die „Amtsgeschäfte“ ruhen zu lassen. Die Reservatsverwaltung will außerdem klären, welche Verbindungen zwischen Monfore und dem von Wings as Eagles Ministries betriebenen Dream Center bestehen.

Die verschiedenen Kirchen wehren sich. Sie werfen der Stammesverwaltung vor, sich in die freie religiöse Ausübung ungerechtfertigterweise einzumischen. Auch christliche Oglalas werfen dem Stammesrat vor, die Arbeit ihrer Kirchen zu behindern.

Missionar Monfore zeigte sich überrascht über die heftige Kritik der Oglala-Führung. „Ich bin kein Rassist, ich liebe die amerikanischen Ureinwohner“, sagte Monfore in einem Telefoninterview mit Indian Country Today: „Ich bin gegen die Religion der Ureinwohner. Ich bin nicht gegen die Ureinwohner.“

Der Evangelist wies in Indian Country Today den Vorwurf zurück, wie ein katholischer Missionar zu agieren. Er ist schockiert darüber, zitiert ICT Monfore, dass die Menschen seine Botschaft mit den Lehren der katholischen Kirche gleichsetzten. „Die Leute versuchen mich mit der Unterdrückung der Ureinwohner durch die katholische Kirche in Verbindung zu bringen. Aber ich predige gegen die katholische Kirche, weil sie nicht christlich ist.“

Der Stammesrat hat sich für seine Entscheidung gründlich dokumentiert. Die vom Missionar veröffentlichten Materialien wurden gesammelt, auch die Informationen auf der Website der Mission. In seinen Schriften vergleicht Monfore Tunkshila, das Lakota-Wort für den Schöpfer und / oder Großvater, mit einem korrupten und ungerechten Dämon. Er beschreibt Nicholas Black Elk, einen Lakota-Medizinmann, als Rassisten und klassifiziert den ehemaligen spirituellen Lakota-Sprecher, Leonard Crow Dog, als „betrunken“.

Der Missionar interpretiert die biblische Schrift und ergänzt sie mit seinen „Erkenntnissen“: „Jesus sagte: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Die weiße Büffelkalbsfrau ist keine Retterin, sie ist ein dämonischer Glaube. Wenn dein Leben Jesus allein nicht die ausschließliche Herrlichkeit bringt, dann ist es nicht von Gott. Die Lehren der Ureinwohner sind vom Geist des Antichristen.“ Das verkündet ein US-amerikanischer Missionar im US-Bundesstaat South Dakota im Jahr 2022.

Auch Eleanor Ferguson vom Jugendrat der Oglala Lakota sammelte die religiösen „Weisheiten“ und veröffentlichte sie auf der Facebook-Seite des International Indigenous Youth Council. „Das ist moderne Indoktrination und kultureller Völkermord“, wirft Ferguson Monfore die Fortsetzung der Indianerkriege mit anderen Mitteln vor: „Warum erlauben wir diesen Menschen, uns und unsere Kultur auf unserem eigenen Territorium zu missachten?“

Die Reaktionen in Pine Ridge auf das Posting waren unmissverständlich. Mehrere Tage lang meldeten sich aufgebrachte Oglala, auch in der Nacht, erzählte Tyler Yellow Boy auf einer Ratssitzung. „Die Leute sind empört, wenn sie sehen, dass der Papst in Kanada einen Kopfschmuck bekommt,“ sagte Tyler Yellow Boy.

Laut Oglala- Anwältin Thomasina Real Bird haben die Reservatsverwaltungen nur eine begrenzte rechtliche Handhabe, um Nicht-Stammesbürger dauerhaft aus Reservaten zu verbannen oder auszuschließen. Die Resolution zum Ausschluss von Monfore enthält einen Verweis auf die Rechts- und Ordnungsvorschriften des Stammes: „Es ist die heilige Pflicht und Verpflichtung des Stammesrates, seine Völker, ihr Eigentum, ihre natürlichen Ressourcen, ihre Kultur, ihr Land, ihre Wasserrechte und ihre Tierwelt vor Bedrohungen oder Verhaltensweisen von Nichtmitgliedern im Reservat und in allen Ländern unter der Gerichtsbarkeit des Oglala-Sioux-Stammes zu schützen.“

In diesem Konfliktfall handelt es sich um einen Notfall, begründet Anwältin Real Bird die Entscheidung, den Missionar aus dem Reservat zu werfen.

Shawnee und Lenape-Autor Steve Newcomb wirft in seinem Buch „Heiden im gelobten Land: Entschlüsselung der Lehre der Entdeckung“ den modernen evangelikalen Missionaren vor, weiterhin an der globalen Vorherrschaft des christlichen Glaubens festzuhalten. Besonders im Visier sind laut Newcomb die indigenen Völker. Die evangelikale Agenda ist laut Newcomb eine durchdachte Strategie, die humanitär daherkommt.

Während der Pandemie lieferten die Evangelikalen Lebensmittel, Trinkwasser und Hygieneprodukte an die Reservats-Bewohner. Viele bieten dringend benötigte soziale Dienste an wie Lebensmittelbanken, Kinderbetreuung und Suchtheilungsdienste in finanziell angeschlagenen indigenen Gemeinden. Außerdem kümmern sich diese missionarischen Eiferer mit Freizeit- und Unterhaltungsprogrammen für Kinder an, auf der Grundlage des Lebens Jesu Christi, spötteln Kritiker.

Im Gegenzug müssen die Reservats-Gemeinden auf ihre eigene traditionelle Spiritualität verzichten, sich bedingungslos zum Christentum bekennen. Seit mehr als zehn Jahren drängen evangelikale und fundamentalistische Missionsgruppen und Kirchen auf das Pine Ridge-Reservat. 2019 berichtete Indian Country Today über die Verbreitung fundamentalistischer christlicher Missionen und Kirchen im Pine Ridge Reservat.

US-weit sammeln diese Kirchen Spenden für Pine Ridge. Trotzdem zählt das Reservat zu den ärmsten Gemeinden in den USA. Die Stammesverwaltung versucht dagegen zu steuern. Laut einer Verordnungmüssen sich gemeinnützige Organisationen und Wohltätigkeitsorganisationen bei der Reservatsverwaltung registrieren und ihre Bilanzen offenlegen.

„Unser Ziel ist es, Geist, Herz und Land zu dekolonisieren und zu unseren Lakota-Wegen zurückzukehren; wir brauchen keine Kirchen mehr, die uns assimilieren“, warb Tyler Star Comes Out vom Indigenous Youth Council für die anti-evangelikale Maßnahme des Stammesrates.

Seit mehr als 100 Jahren agieren christliche Kirchen und Missionare in vielen Reservaten und sind in einigen Gemeinden tief verwurzelt. Die Red Cloud Indian School in Pine Ridge zum Beispiel wurde 1888 von katholischen Jesuiten als Holy Rosary Mission gegründet, noch vor der Existenz des Reservats.

Die Red Cloud Indian School lässt derzeit ihre assimilatorische Vergangenheit aufarbeiten, waren doch die Missionen auch für die genozidalen Internatsschulen verantwortlich.

Erst vor einiger Zeit tourte der Papst in Kanada von einem Reservat zur nächsten Region der autochthonen Völker. Seine „Bußwallfahrt“ – so bezeichnete der Papst seine Kanada-Reise – diente der Entschuldigung für die völkermörderische Politik der katholischen Institutionen und für die Unterstützung der Assimilation und Entrechtung. Viele indigene Völker in Kanada und den USA kritisierten die päpstliche Entschuldigung als nicht ausreichend genug.

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