Kolumbien: Militärs und Ex-Guerilleros führen Krieg gegen Cauca

Ende Januar ist im Selbstverwaltungsgebiet Las Delicias im Cauca-Tal Albeiro Camayo erschossen worden. Die Killer gehören der Columna Movil Jaime Martinez an. Diese Gruppierung war einst Teil der linken FARC-Guerilla.

Von Wolfgang Mayr

Die USA und die EU kritisieren kontinuierlich die linke Regierung in Venezuela. Präsident Maduro verletzt die Menschenrechte und zerstört die Demokratie, so der Vorwurf. USA und EU aber schweigen, wenn im Nachbarland Kolumbien Menschenrechte verletzt und die Demokratie außer Kraft gesetzt wird. Und das geschieht ständig.

Verschiedene „Sicherheitskräfte“, das Militär, rechts- und linksradikale Terroristen bekriegen ungeniert die Bevölkerung, besonders die indigene Bevölkerung. Immer wieder fallen AktivistInnen diesen Todesschwadronen zum Opfer.

Wie Albeiro Camayo, Gemeindeaktivist und Menschenrechtsverteidiger. Er war bis 2021 einer der Koordinatoren der Guardia Indígena des Cauca. Diese Guardia ist eine unbewaffnete  Selbstverteidigungsgruppe der indigenen Gemeinden in diesem Landesteil. Sie schützt die Bevölkerung und ihr Land gegen staatliche und nichtstaatliche Gewalttäter.

Die Columna Movil Jaime Martinez bedroht seit einigen Jahren die selbstverwaltete Region, das im indigenen Regionalrat des Cauca CRIC organisiert ist. Diese Terrorgruppe der ehemaligen Farc-Guerilla erkennt den 2016 geschlossenen Friedensvertrag zwischen Staat und der Farc nicht an und „kooperiert“ mit der Drogenmafia.

Camayo ist der zehnte Aktivist, der seit Jahresbeginn in Kolumbien ermordet wurde. Seit dem Friedensabkommen zwischen Staat und Farc 2016 wurden mehr als 1.290 AktivistInnen ermordet. Die ehemaligen linken Rebellen erschossen seit November 2021 vier Mitglieder der indigenen Gemeinden des Cauca-Tales. „Hunderte indigene Amtsträger:innen sowie Mitglieder der Guardia Indígena wurden in den letzten Jahren bedroht und ermordet,“ berichtete die Soli-Plattform amerika21.

 

 

In ihrer Erklärung weisen die indigenen AktivistInnen auf die dramatische humanitäre Lage im Norden des Cauca hin, die von legalen und illegalen bewaffneten Gruppen verursacht wird. Die Killer gehören einer Mörderbande an, heißt es in der Erklärung. Verantwortlich für diese „Entwicklung“ ist laut den indigenen AktivistInnen die Regierung Duque und die herrschenden Eliten. Sie verhindern einen wirklichen Frieden, stellen die indigenen Organisation kritisch fest und dazu braucht es Investitionen in das Sozialwesen, eine Land-Reform und die Umsetzung des Friedensabkommens.

Die Cauca-AktivistInnen werfen der Regierung vor, den Großgrundbesitz nicht angetastet zu haben. Amerika21 zitiert aus der Erklärung: „Die Gemeinden sehen sich als Zielscheibe, weil sie sich mit ihren selbstverwalteten Strukturen und zivilen Mitteln gegen den Missbrauch ihres Landes durch bewaffnete Gruppen stemmen. Diese rekrutierten außerdem Jugendliche aus den Gemeinden, nutzten damit die ökonomische Marginalisierung aus und zielten auf deren Spaltung ab. Aber auch Armee und Polizei respektierten die Rechte und das Leben der Gemeinden nicht“.

Kritik aus Washington und Brüssel an der kolumbianischen Regierung blieb bisher aus.

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