Indigenes Land in indigene Hände

Die Landback-Kampagne vernetzt die verschiedenen Initiativen im indian country zwischen den städtischen Ghettos und Reservaten

Von Wolfgang Mayr

Zu den „Machern“ von Landback zählen Nick Tilsen, ein Bürger der Oglala Lakota Nationund Krystal Two Bulls, eine Oglala Lakota und Northern Cheyenne. Das Ziel von Landback fasst Two Bulls zusammen: Indigenes Land in indigene Hände. Sie führen einen Kampf, den schon ihre Vorfahren gegen die europäischen Eindringlinge geführt haben. Ein Kampf, der überall auf Turtle Island  ausgetragen wird, ergänzt Krystal Two Bulls.

In Kanada und in den USA versuchen Reservatsverwaltungen, Angehörige von bundesstaatlich nicht anerkannten indianischen Bevölkerungsgruppen auf dem Land und in den städtischen Ghettos ihr geraubtes Land zurückzuerhalten. Kaum koordinierte Initiativen, die Landback mit seiner Kampagne zu bündeln versucht. Zur Kampagne gehört auch die Revitalisierung indigenen Wissens.

Tilsen und Two Bulls stellen die weiße Vorherrschaft in Frage, den militärisch-industriellen Komplex, die Militarisierung der Polizei, die Grenzkontrollen. Auch deshalb wollen sie der dominanten Gesellschaft Land „entziehen“, öffentliches Land, unterstreichen beide Aktivisten. Symbolcharakter hat die Kampagne um die Black Hills. Landback fordert die Rückgabe von Mount Rushmore und den Black Hills an die ursprünglichen Eigentümer, ein „Konsortium von Stämmen wird das Land verwalten“.

Laut Tilsen stehen die Black Hills stellvertretend für den Landrechtsstreit. Die Black Hills sorgten für den längsten Rechtsstreit zwischen den autochthonen Prärie-Völkern und derUS-Justiz. Der Oberste Gerichtshof stellte immerhin fest, dass es sich beim Raub der Black Hills tatsächlich um eine grobe Verletzung der US-Verfassung handelte. Trotzdem wurde kein Land zurückgegeben. 68 Stämme formulierten Ansprüche auf die Black Hills.

Landback drängt auf ein gleichberechtigtes Verhältnis zwischen den First Nations und der US-Bundesregierung. Ähnlich formulierten es auch die Vereinten Nationen. In der Phase der militärischen Eroberung war das Kriegsministerium für die Belange der alteingesessenen Ureinwohner zuständig. Erst mit der Reformregierung Franklin D. Roosevelt in den 1930er Jahren, seinem BIA-Kommissar John Collier und dessen Indian New Deal, entstand eine Art Quasi-Stammes-Regierungsstruktur. Geschaffen von den Unterdrückern, sind die Landback-Aktivisten überzeugt. Die Figur Collier ist umstritten, sorgt noch immer für Disput. Einmal gilt Collier als Architekt „indianischer Souveränität“, schreibt Elmer Rusco, aber auch als Brückenbauer der Assimilation.

Für eine Rückkehr zur alten Indianer-Politik sorgte der republikanische Präsident Eisenhower und seine “Termination“ von mehr als 100 Stämmen. Reservate wurden aufgelöst, Grund und Boden verscherbelt Sozialhilfe aufgekündigt, kurzum, ein 100facher Bruch der Verträge.

Mit der Bürgerrechtsbewegung der 1960er und 70er Jahre endete die zerstörerische Politik der „Termination“, der Beendigung der gleichberechtigten Beziehungen zwischen den Stammes-Nationen und der US-Bundesregierung. Sie wurde abgelöst von der Ära der Selbstbestimmung, „Stammeskonsultationen wurden zu einem Fundament dieser politischen Ära,“ würdigen die beiden militanten Landback-Aktivisten die von US-Präsident Nixon eingeschlagenen Reformen. Selbstbewusste Stammespolitiker drängten auf Dialog und Absprachen, letztendlich mündete dieser Aufbruch in die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte indigener Völker.

Landback versteht sich als Teil des weltweiten indigenen Kampfes um Würde und Selbstbestimmung. Und als Dialog-Partner. Indigene Völker stellen weniger als fünf Prozent der Weltbevölkerung, schützen aber zwei Drittel der biologischen Vielfalt des Planeten, erinnern Tilsen und Two Bulls an den indigenen Reichtum. Sie gehen davon aus, dass indigene Völker mit ihrem Wissen über Land und Gewässer zur Bewältigung der Klima- und Biodiversitätskrisen beitragen könnten.

Deshalb sollten die autochthonen Völker in die Lage versetzt werden, ihr Leben und ihr Land autonom verwalten zu können. Isaac Murdoch, Angehöriger der Nimkii Aazhibikoong im kanadischen Ontario, beschreibt Landback als Rückkehr in das eigene Leben. Der Journalist Jesse Wente vom Canada Council for the Arts, sagt, es geht „um die Entscheidungsgewalt. Es geht um Selbstbestimmung für unsere Völker und dass wir die Kontrolle darüber haben.“

Der derzeitige Staatsaufbau in Kanada und in den USA verhindert diese Selbstbestimmung, kritisieren Murdoch und Wente, weil sie indigene Völker von Entscheidungen ausschließen, auch von jenen, bei denen es um die Nutzung indigenen Landes geht. Die Entscheidungsträger setzen der grenzenlosen Nutzung des Landes keine Grenzen, zum Schaden des Ökosystems, auf Kosten der Menschen.

Die David Suzuki Foundation drängt darauf, dass das sich die Verwaltung von Land ändern muss. Im öffentlichen Landmanagement müssen Rechte und Pflichten der Ureinwohner anerkannt werden, schreibt die Foundation. In der Vergangenheit sind die indigenen Völker aus ihrem Land gedrängt worden, in ständig schrumpfende Reservate.

Aimée Craft von der University of Ottawa beschreibt den Landrechts-Streit als einen clash of culture. Da sind Brücken notwendig, appelliert Craft an den kanadischen Staat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

Zurück zur Home-Seite