Hazara: Eine Minderheit in Afghanistan in Todesangst

Officer, Public domain, via Wikimedia Commons

Von Jan Diedrichsen

Die Nachrichten aus Afghanistan überschlagen sich. Die Taliban hat in einem Blitzkrieg das Land überrannt und den gesamten Westen, mit der USA an der Spitze, vorgeführt. Verzweifelt versuchen Menschen das Land zu verlassen. Trotz der Beteuerungen der Taliban, sich nicht „rächen“ zu wollen, ist die Angst vor gezielten Gewalttaten groß.

Bei den schockierenden Bildern aus Afghanistan sollten unsere Gedanken bei einer besonders gefährdeten Minderheit sein, die derzeit in Todesangst verharrt: Die Hazara.

Etwa zehn bis 15 Prozent der derzeit knapp 35 Millionen Afghanen gehören zur Minderheit der schiitischen Hazara. Die meisten Taliban sind sunnitische Paschtunen, Hazara dagegen persischstämmige Schiiten. Ihr Siedlungsgebiet liegt im Zentrum des Landes. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts sind sie immer wieder Opfer ethnischer und religiöser Übergriffe.

 

Die Gesellschaft für bedrohte Völker befasst sich seit Jahren intensiv mit dem Schicksal der Minderheit in Afghanistan.

Ein sehr umfangreiches Dossier und Hintergründe finden sich bei „Minority rights group.“

 

Die Erinnerungen an die Taliban-Herrschaft vor zwei Jahrzehnten, als ihre bewaffneten Mörder Hunderte von ethnischen Hazara-Männern kurz nach der Eroberung der abgelegenen Hochlandregion in Zentralafghanistan hinrichteten, sind noch frisch und lassen Böses ahnen.

Die Hazara, schiitische Muslime, die von den sunnitischen Taliban als Ungläubige betrachtet werden, erinnern sich noch genau an die Hinrichtung von etwa 170 Hazara-Männern sowie von Mitarbeitern von Hilfsorganisationen und einem UN-Mitarbeiter durch die Taliban, nachdem die Gruppe im Januar 2001 die Stadt Yakawlang zurückerobert hatte.

Hunderte von Hazara-Männern und -Jungen wurden von den Taliban 1998 auch in der nordafghanischen Stadt Mazar-i-Sharif hingerichtet, als die Taliban von Tür zu Tür gingen, um Hazara zu töten.

Die Hazara befürchten nun, dass sich die Geschichte auf tragische Weise wiederholen könnte.

Es gibt aktuell noch keine Berichte, dass die Taliban gezielte Tötungen an Hazara plant oder bereits begangen hätten, aber die Hazara misstrauen den Taliban zutiefst und befinden sich in Todesangst.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker berichtete immer wieder ausführlich über die Gräueltaten der vergangenen Jahre.

In den letzten Jahren wurden in Kabul Hunderte von Hazara bei Bombenanschlägen auf Moscheen, Schulen und Wohnviertel ihrer Gemeinschaft getötet. Die meisten dieser Morde wurden vom Islamischer Staat (IS) beansprucht.

Bei einem einzigen Selbstmordattentat, das im Juli 2016 auf eine Hazara-Kundgebung auf dem Demazang-Platz in Kabul verübt wurde, wurden mindestens 80 Menschen getötet und mehr als 230 verletzt.

Bei einem Anschlag am 8. Mai 2021 wurden fast 90 Menschen – die meisten von ihnen Schüler – bei drei gewaltigen Explosionen vor der Syed-al-Shahada-Mädchenschule in einem überwiegend von Hazara bewohnten Viertel von Kabul getötet.

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