Grüner Imperialismus – Die Nachhaltigkeit und ihre Folgen für die Regenwälder

Von Wolfgang Mayr

Am Amazonas, am Kongo und in den Tropen im fernen Osten werden industriell immer mehr Bäume gefällt. Es geht um die Gewinnung erneuerbarer Energie für die E-Mobilität, für Bio-Sprit. Die nachhaltige Lebensweise fordert auch ihre Opfer, sagte Claus Biegert in der Podcast-Reihe von Voices.

 

VOICES – PODCAST
Naturrechte mit Claus Biegert

 

Die erneuerbare Energie aus der Wasserkraft und emissionsfreie E-Autos sollen helfen, die Luftverschmutzung zu stoppen. Im Gegenzug muss der Regenwald aber daran glauben, warnt die Organisation „Rettet den Regenwald“. Letztendlich gefährdet das neue Konzept der Nachhaltigkeit auch den Amazonas-Regenwald:

In Ecuador werden für die Kupfermine Mirador Tausende Hektar Amazonasregenwald gerodet. Die Abwässer der Tagebaumine vergiften die Flüsse und die Shuar verlieren ihre Lebensgrundlagen.

Trotz der Proteste der betroffenen Bevölkerung nahm die Mine ihre Produktion auf, das Kupfer wird in China zu Folien verarbeitet, für Batterien der Elektroautos.

Der „alternative“ Energiehunger sorgte dafür, dass am Amazonas 2021 13.000 Quadratkilometer Wald vernichtet wurden.

Dafür gibt es ein Vorbild, Stichwort Bio-Sprit statt Diesel und Benzin. Die brasilianische Zucker- und Ethanolwirtschaft „rüstete“ um, auf die Produktion von Bio-Sprit. Mehr als 300 riesige Zuckerfabriken versorgen die „sanfte Mobilität“ mit Bio-Sprit, weitere 120 sollen hinzukommen.

Im „ZDF-heute“ bestätigte der brasilianische Geograph Guilherme Ferreira das profitable Geschäft mit dem Bio-Sprit. Es garantiert volle Kassen für die Agrar-Industrie, die unter der Schirmherrschaft des rechtsradikalen Präsidenten und Corona-Leugner Bolsonaro steht. Die Zahlen sind beeindruckend. Im Amazonas-Bundesstaat Maranhao wurden 2000 auf 20.000 Hektar Fläche Zuckerrohr angebaut, 2019 waren es laut dem Brasilianischen Institut für Geographie und Statistik 47.405 Hektar.

In den Bergen von Argentinien, Chile und Bolivien wird Lithium im großen Stil abgebaut. Für die Gewinnung dieses Leichtmetalls wird sehr viel Wasser benötigt, wertvolles Trinkwasser. Lithium ist für die Akkus von E-Autos unverzichtbar.

Hinzu kommt der Energiehunger der brasilianischen Wirtschaft und der Bedarf der wachsenden Zahl an Haushalten nach bezahlbarer Energie, aus der Wasserkraft. Der riesige Staudamm Belo Monte im nördlichen Brasilien liefert ein Höchstmaß an erneuerbarer Energie, sorgte aber auch für ein Höchstmaß an Begleitschäden. Ureinwohner wurden kurzerhand von ihrem Land vertrieben und ungeklärt sind die Auswirkungen auf die Ökosysteme. Brasilianische Medien berichteten übereinstimmend über ein großesFischsterben. Die Fische zählen zur Nahrungskette der Ureinwohner.

Das Eindringen in die letzten Enklaven unberührter Natur bleibt nicht folgenlos, warnen der bayerische Biologe Josef Settele und der Journalist Eduardo Camin aus Uruguay. Der Biologe und der Analyst des Lateinamerikanischen Zentrums für strategische Analysen (Clae) betonen den Zusammenhang zwischen Umwelt und dem täglichen Leben. Je stärker der Mensch in die Umwelt eingreift, sie plündert, desto schneller übertragen sich zoonotische Krankheiten, also solche, die von Tieren auf Menschen übertragen werden.

Auf der plattform amerika21 schreibt Camin: „Die Übertragung von Krankheiten wie Covid-19, Ebola, SARS und MERS zeigt, was passieren kann, wenn wir die Natur nicht mit ausreichendem Respekt behandeln und wie dies nicht nur unsere Gesundheit, sondern langfristig auch unsere Gesellschaften und unsere Zukunft gefährden kann“.

Eine Abkehr ist deshalb dringend notwendig, rät Camin. Er verweist auf den Bericht „Beschäftigung in einer Zukunft ohne Nettoemissionen in Lateinamerika und der Karibik“ der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und der Interamerikanischen Entwicklungsbank. Laut diesem Bericht könnten in der Region mit der größten biologischen Vielfalt der Welt mit einer kohlenstofffreien Wirtschaft bis 2030 15 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden.

In seiner Analyse ist Camin eindeutig, Arbeitsplätze in aufstrebenden grünen Sektoren sind nicht automatisch gute Arbeitsplätze, zitiert amerika21 den uruguayanischen Analysten. Er verweist auf den Agrarsektor in Lateinamerika, der kaum menschenwürdige Arbeit anbietet. Genau so wenig nachhaltig ist der Einsatz von hochgelobten Technologien, wenn die Wirtschaft weiterhin ressourcenvernichtend agiert.

Das online-Magazin „revolt“ interviewte Carlos Gónzalez García vom zapatistischen Congreso Nacional Indígena (CNI). Nicht der Klimawandel ist das Problem, ist die Schlussolgerung von Garcia auf revolt, sondern der Kapitalismus:

„Der Klimawandel ist ein Produkt dieser kapitalistischen und globalisierten Wirtschaft, die die Welt seit über 500 Jahren im Griff hat … das Wachstum der Weltbevölkerung, die beschleunigte Entwicklung der Technologie und der Produktivkräfte und ihre Konzentration in den Händen des Kapitals, haben dazu geführt, dass die reale Möglichkeit der Zerstörung unseres Planeten besteht“.

Das ausführliche Interview mit Carlos Gónzalez García vom Congreso Nacional Indígena:

re:volt – „Wir wollen den Kapitalismus zerstören“ (revoltmag.org)

Weitere Informationen

Lateinamerika und die Widersprüche des Grünen Kapitalismus. Der Übergang vom Neoliberalismus zum Konzept des „Buen Vivir“? – GRIN

Der „Grüne Kolonialismus auf der COP 26“ – Es gibt keine Klimagerechtigkeit ohne Gerechtigkeit für Indigene – GfbV Blog

Informationen über den Biologen Josef Settele:

 

 

 

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