„Ein von Schatten begrenzter Raum“: Bayerischer Buchpreis für Emine Sevgi Özdamar

Von Wolfgang Mayr

 Die Schriftstellerin und Schauspielerin Emine Sevgi Özdamar hat für ihren 800-seitigen Roman „Ein von Schatten begrenzter Raum“ den Bayerischen Buchpreis erhalten. Ein autobiographischer Roman, der alle Grenzen sprengt, findet Cornelia Zetzsche auf Bayern2.

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Zetzsche würdigt Ozdamar für ihre literarische Pionierarbeit, sie setzte auf „Diversität“, als die noch kein gesellschaftlich-politisches Thema war. In ihrem neuen Roman schreibt Özdamar weiter an ihrer diversen Lebensgeschichte „und erzählt von einem Leben zwischen Theater und Politik, Istanbul, Berlin und Paris, zwischen dem Terror des türkischen Militärs nach dem Putsch 1971 und der Freiheit in Europas Bohème.“ (Zitat Cornelia Zetzsche).

In „Ein von Schatten begrenzter Raum“ schaut eine anonyme Ich-Erzählerin zurück in die 1970er Jahre. Das türkische Militär putschte, errichtete eine blutige Diktatur, vor der die Ich-Erzählerin über eine Insel in der Ägäis nach Europa flüchtete. Nach Ost-Berlin, an die Volksbühne von Bert Brecht. Sie flüchtete vor der Militär-Diktatur in die DDR-Diktatur.

DDR, Vergangenheit. Özdamar und ihre Auseinandersetzung mit Bert Brecht in Ost-Berlin, mit dem Nationalsozialismus und dem DDR-Kommunismus führte sie zurück in die türkische Geschichte. Die präsent ist, die nachwirkt, obwohl sie nicht ausgesprochen wird: „“Die Türkei hat sich mit ihrer Geschichte nicht auseinandergesetzt, und die kommt als Bumerang zurück. Da sind unheilige Energien, die dann als Giftgas zurückkommen werden. Und so ist das“, sagte Özdamar auf Bayern2.

Mit dem Giftgas wird sie wohl den türkischen Präsidenten Erdogan und seine islamistische AKP meinen. Die sich in einer unheiligen Allianz mit dem Militär befindet. Özdamar taucht tief in die türkische Geschichte ein. „Immer wieder leuchtet der Roman dunkle Stellen aus: den Genozid an den Armeniern, die Vertreibung der Griechen, Terror gegen Kurden und Aleviten, den ewigen Kreislauf der Gewalt“ (Zitat Cornelia Zetzsche, Bayern2).

Die Türkei leugnet den Völkermord an den Armeniern, verdrängte die blutige Vertreibung der Griechen, umschreibt den staatlichen Terror gegen die Kurden als Kampf gegen den kurdischen Terrorismus. Neusprech der Marke George Orwell.

Cornelia Zetzsche stellte ihrerseits Özdamar und ihrem Roman „Ein von Schatten begrenzter Raum“ in den Radio-Texten auf Bayern2 beste Noten aus: „Ein von Schatten begrenzter Raum“ ist ein Künstlerroman wie „Ein Porträt des Künstlers als junger Mann“ von James Joyce. Ein Selbstporträt. Der Entwicklungsroman einer jungen türkischen Schauspielerin, die in der Welt ihren Platz sucht, ein Niemand in der Fremde, immer auf der Suche nach einem Dach über dem Kopf als Chiffre einer fragilen Existenz.“

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