Deutsche fordern Waffenstillstand

Ukrainische SchriftstellerInnen wundern sich über Wortmeldungen deutscher AutorInnen

Von Wolfgang Mayr

Die russische Großoffensive in der östlichen Ukraine walzt Land und Leute nieder. Unbarmherzig, im Visier der russischen Artillerie vorzugsweise Wohnblöcke und Einkaufszentren.

Deutsche Intellektuelle um den Philosophen Precht und die Autorin Zeh sehen deshalb die Zeit gekommen, eine diplomatische Großoffensive zu starten. Ihr Vorschlag, die überfallene Ukraine soll die Waffen niederlegen und mit dem russischen Kriegspräsidenten Putin Friedensverhandlungen aufnehmen.

Das ist ganz im Sinne des russischen Regierungssprechers Dmitri Peskow, der laut Tagesspiegel die Ukraine zur Kapitulation auffordert, „dann wäre alles noch heute vorbei“. Wohl auch die staatliche ukrainische Souveränität.

Die „Großoffensive“ aus der Feder von Richard David Precht und vielen anderen stößt auch auf Unverständnis. Besonders bei den Betroffenen. Beispiel bei Serhij Zhadan, ein prominenter Vertreter der ukrainischen Gegenwartsliteratur und Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels. In seinem Werk erzählt er von der Zerstörung in seinem Heimatland – und wie die Menschen versuchen, trotzdem Frieden zu finden. Zhadan, so steht es in der Preis-Begründung, hilft Menschen unter Einsatz seines Lebens.

Der 47-jährige Zhadan lebt noch immer in Charkiw und berichtete auch für deutsche Medien über den Krieg. Zhadan verarbeitet in seiner Literatur die großen Umbrüche des Landes, das trotzdem auch an der Tradition festhält und an der ukrainischen Identität. Seine Bücher lassen erahnen, was später im Donbass passieren wird. Stellvertretend dafür das Buch „Internat“. Zhadan erzählt von einem Lehrer, der seinen Neffen aus der Schule nach Hause holt. Drei Tage brauchen sie durch das zerstörte Gebiet.

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