„Deutsch-Südwestafrika“

Im deutschen Kolonialkrieg „testeten“ die Kaiser-Armee und Missionare erstmals die Struktur Konzentrationslager. Trotz des „Versöhnungs-Abkommens“ ist dieses Kapitel deutscher Geschichte noch immer nicht abgeschlossen.

Von Wolfgang Mayr

Im Land der Herero und Nama wurden vor 122 Jahren die ersten deutschen Konzentrationslager hochgezogen. Damals, kurz nach 1900, als Deutsch-Südwestafrika noch Kolonie des deutschen Kaiserreiches war. Dieses Kapital ist noch nicht abgeschlossen. 

Die deutsche Kolonialverwaltung sperrte Angehörige der Herero und Nama in die KZ ein, die Überlebenden des Völkermords. Christliche Missionare waren in die „Verwaltung“ der Lager eingebunden.

1904 schlug der damalige Gouverneur Lothar von Trotha den Aufstand der Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika äußerst brutal nieder. In einem Vernichtungskrieg wurden schätzungsweise 50.000 Herero und 10.000 Nama getötet.

Spät aber doch bekennt sich Deutschland zu diesem ersten Völkermord seiner Geschichte. Die Vernichtung der Herero und Nama eine Art Probelauf für die industrielle Vernichtung der europäischen Juden durch Nazi-Deutschland.

Die Nachfahren der Herero und Nama sind wenig begeistert über das Versöhnungs-Abkommen zwischen Namibia und Deutschland, auch deshalb, weil sie nicht mit verhandeln durften. Lange war dieses Thema ein deutsches Tabu, in den 1970er Jahre versuchte Tilman Zülch mit seiner GfbV auf die verdrängte blutige deutsche Kolonialgeschichte aufmerksam zu machen. 

Namibia und Deutschland zogen mit ihrem Abkommen einen Schlussstrich unter die Kolonialgeschichte. Leitmotiv, Schluss mit der Vergangenheit. Herero und Nama aber nicht, sie streben eine Klage gegen das Abkommen an. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

Zurück zur Home-Seite