Der Krieg gegen die Ukraine: Russlands indigene Bevölkerung leidet

Pavel Sulyandziga, ein indigener Aktivist vom Volk der Udege, der im US-Exil lebt, berichtet für VOICES über die Geschehnisse in Russland. Er richtet den Blick auf die indigenen und marginalisierten Bevölkerungsgruppen des Landes

Von Pavel Sulyandziga

Der Krieg trifft die Indigenen in Russland mit voller Wucht. Die Sanktionen, die verhängt wurden, werden sich stark auswirken und die Menschen weiter verarmen lassen. Erschreckend ist auch, dass sich das russische Regime nun noch weniger um die Rechte der indigenen Völker und Minderheiten im Land scheren wird.

Die größte Tragödie ist jedoch, dass Menschen aus den indigenen Gemeinschaften Russlands zum Kriegsdienst in der Ukraine einberufen werden. Dies ist besonders besorgniserregend, da viele dieser Gemeinschaften dank der russischen Propaganda nicht vollständig über die Geschehnisse in der Ukraine informiert sind und ihnen weisgemacht wird, dass sie das Land von „Banderiten“ (nach Stepan Bandera, einem rechtsextremen ukrainischen Politiker des letzten Jahrhunderts) und Nazis befreien werden. Die Arbeitslosigkeit ist in den indigenen Gemeinden sehr hoch. Man verspricht den jungen Männern riesige Geldsummen, wenn sie sich melden und kämpfen. Sie drohen, ohne es wirklich zu wissen, ihr Leben in einem verbrecherischen und völlig sinnlosen Krieg zu verlieren. Eine Tragödie.

Ich möchte betonen, dass es sich bei den meisten russischen indigenen Gemeinschaften um kleine Gruppen handelt, für die der Verlust einiger weniger Mitglieder ein großer Schaden sein kann. Mein Volk, die Udege, zum Beispiel, lebt in vier Dörfern und zählt 1.600 Menschen.

Die Rechte indigener Völker werden täglich verletzt. Die Menschen werden nun noch stärker marginalisiert werden als bisher. Landraub und Verstöße gegen unsere Rechte werden zunehmen und alle Hemmungen fallen.

Die Bemühungen, unsere Rechte juristisch oder auf politischem Wege einzufordern, werden noch unmöglicher. Indigene Völker leben in abgelegenen Gebieten, die vom Mainstream abgeschnitten sind. Lebensmittel und andere Produkte werden nicht geliefert oder werden für viele Menschen unerschwinglich.

Ich mache mir auch Sorgen um die medizinische Versorgung, da die meisten dieser Gemeinden keine Krankenhäuser haben und gezwungen sind, weit zu reisen, um medizinische Hilfe zu erhalten. Jetzt, da der Wert des Rubels sinkt und die Lebenshaltungskosten steigen, befürchte ich, dass die Menschen keine angemessene medizinische Versorgung oder Medikamente erhalten werden.

 

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