Cultural Survival bei VOICES: Staatsversagen – Eine Analyse der Beschlüsse der Weltklimakonferenz aus Sicht der indigenen Völker

Mit freundlicher Genehmigung von Cultural Survival (das englische Original hier)

Vom 31. Oktober bis zum 12. November 2021 fand die Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) (COP 26) in Glasgow, Schottland, statt.

 

VOICES berichtete:

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Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass trotz der enormen Anstrengungen, die indigene Völker und unsere Delegationen aus der ganzen Welt unternommen haben, die Staats- und Regierungschefs nicht angemessen auf die Dringlichkeit der Klimakrise reagieren. Die Staats- und Regierungschefs haben es versäumt, sich in das hineinzuversetzen, was wir als indigene Völker tagtäglich erleben – die direkten Auswirkungen und Katastrophen des Klimawandels. Wenn die Klimakrise eingedämmt werden soll und wenn wir das Ziel erreichen wollen, die globale Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, muss die Weltgemeinschaft aufwachen und anerkennen, dass der Klimawandel eine dringende Angelegenheit ist, die jetzt echtes Engagement und veränderte Verhaltensweisen erfordert.

Die indigenen Völker machten die zweitgrößte zivilgesellschaftliche Delegation auf der COP26 aus, nach den Öl- und Gaslobbyisten, die über 500 Delegierte entsandten. Die allgemeine Stimmung mit Blick auf die Ergebnisse des Klimagipfels hat Cultural Survival’s Lead on Brazil und COP26-Delegierter, Edson Krenak (Krenak), auf den Punkt gebracht: „Die Klimakonferenz hat uns viele Enttäuschungen beschert. Wie immer saßen die indigenen Völker als Hüter der Erde nicht mit an dem Tisch, an dem die Verhandlungen und Entscheidungen getroffen wurden. Die Staaten versuchen weiterhin gemeinsam mit den Konzernen, der Wirtschaft, dem Kapital, die Geldmaschine Kapitalismus sowie den Kolonialismus zu retten – die Begriffe sind austauschbar, aber sie versagen, wenn es darum geht den Planeten zu retten!“

Nichtsdestotrotz sind wir widerstandsfähige und anpassungsfähige Völker, und wir werden weiterhin unseren Teil dazu beitragen, unserer heiligen Verantwortung gegenüber Mutter Erde gerecht zu werden.

Wie immer ist es eine Freude, mit unseren indigenen Freunden aus der ganzen Welt zusammenzukommen, das gibt uns neue Hoffnung. Um es noch einmal mit den Worten von Edson Krenak zu formulieren: „Ich habe erkannt, dass es nicht nur eine koloniale Vergangenheit und ein Zustand der Verwundbarkeit ist, der uns verbindet und definiert, sondern unsere uralte Pädagogik: Wir alle lernen, indem wir auf die Stimme der Anderen hören! Die indigenen Völker aus den verschiedensten Teilen der Welt versammelten sich auf dem Internationalen Forum indigener Völker zum Klimawandel (IIPFCC) oder dem „Indigenous People’s Caucus“. Dort haben wir darüber diskutiert und uns darauf verständigt, was uns wichtig ist: dass unsere Territorien geschützt werden müssen, dass unsere Rechte, die Rechte der Fische, Vögel, Tiere, Flüsse, Bäume und aller anderen Verwandten von Mutter Erde respektiert werden müssen“.

In diesem Artikel werden die Ereignisse der Weltklimakonferenz, ihre Errungenschaften und Unzulänglichkeiten analysiert und reflektiert, insbesondere mit Blick auf die Rechte der indigenen Völker.  

Verstärkte Beteiligung indigener Völker

Wir, die indigenen Völker standen nicht an der Spitze der Entscheidungsfindung. Dennoch waren wir durchaus erfolgreich in unserer Lobbyarbeit und in der Zusammenarbeit mit Regierungen und Partnern. Diese haben es uns ermöglicht, unsere Anliegen in Bezug auf die drängenden Klimafragen in unseren Gemeinschaften zu artikulieren. Dadurch konnten wir Einfluss auf die Politik in Bereichen nehmen, die direkte Auswirkungen auf unsere Gemeinschaften haben. Wir haben unsere Entschlossenheit bekräftigt und gestärkt, uns in diesen internationalen Gremien weiterhin Gehör zu verschaffen und uns für die Anerkennung der Menschenrechte und den Schutz der Rechte indigener Völker einzusetzen.

Graeme Reed (Anishinabee), Ko-Vorsitzender der IIPFCC, sprach über die Aktivitäten der Plattform für lokale Gemeinschaften und indigene Völker (Local Communities and Indigenous Peoples Platform, LCIPP), die auf der Weltklimakonferenz 2018 in Kattowitz, Polen, etabliert wurde, sowie über die Schaffung eines neun Gremiums, dem sieben indigene Vertreter angehören: „Auf der COP26 hatten wir das allererste Treffen der „Wissensbewahrer“ (Knowledge Keepers). Achtundzwanzig Wissensbewahrer aus der ganzen Welt organisierten sich, und wir konnten unser eigenes Treffen abhalten. Es war das erste Mal, dass wir ein Treffen innerhalb der Parameter der „Blauen Zone“ abhielten, also des von der UNFCCC kontrollierten Rahmens, der die Staaten ausdrücklich auffordert, sich herauszuhalten. Für mich ist das ein Zeichen für unsere wachsende Fähigkeit, innerhalb dieser Systeme Raum für indigene Völker zu schaffen.“

Graeme Reed verweist ferner auf die Annahme des Arbeitsplans (2022-2025) der Plattform für lokale Gemeinschaften und indigene Völker und die Sicherung eines Sitzes im Beratungsgremium des Climate Technology Center and Networks: „Die Annahme des zweiten Drei-Jahres-Arbeitsplans war ein großer Erfolg, der von der Arbeitsgruppe, die von indigenen Völkern und Staaten im Konsens gemeinsam erstellt wurde. Wir haben erreicht, dass in Zukunft zusätzlicher Raum für diese Art von jährlichen Treffen der „Wissensbewahrer“ geschaffen wird. Wir haben auch eine Entscheidung über das Beratungsgremium des Climate Technology Center and Networks getroffen. Die indigenen Völker streben seit einiger Zeit einen Sitz an, auch wenn dieser nicht ausreichend sein wird, um das indigene Wissen, die Wissenschaft und die Perspektive in diesem Netzwerk für Klimatechnologie effektiv zu vertreten.“

Der Gipfel-Kompromiss

Die Verabschiedung des Glasgower Klimapakts durch fast 200 Länder ist ebenfalls positiv zu bewerten. Dieser Pakt bekräftigt das Pariser Abkommen, insbesondere was die Festlegung von Grenzwerten für die globale Erwärmung betrifft.

Während das Pariser Abkommen die globale Erwärmung auf deutlich unter 2° Celsius begrenzen wollte, zielt der Glasgow-Pakt darauf ab, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken.  Das Gipfelergebnis unterstreicht, dass es keinen sicheren Schwellenwert für die globale Erwärmung gibt.  Eine Tatsache, die hoffentlich weltweit Widerhall finden und Auswirkungen auf unseren Kohlenstoffverbrauch haben wird.

Zahlreiche weitere Erklärungen zielten ebenfalls auf eine Verringerung der Emissionen ab, in der Hoffnung, das Ziel einer globalen Erwärmung von 1,5°C zu erreichen. Der allgemeine Konsens ist jedoch, dass dies nicht ausreichend sein wird. So bleibt beispielsweise abzuwarten, wie sich der Kohlebergbau, die Erdöl- und Erdgasgewinnung und deren Fortführung auf die vorgeschlagenen Ziele auswirken werden.

In letzter Minute gelang es Indien bei den Verhandlungen über die Schlusserklärung, eine Formulierung einzubringen, die sich auf einen „Abbau“ (phase down) und nicht auf einen „Ausstieg“ (phase out) aus dem Kohlebergbau bezieht.   Dies ist ein Beleg für die Kritik, dass die Konferenz nicht ausreichend auf die Dringlichkeit der Klimakrise reagiert hat. Dies wird sich zweifellos direkt auf die Fähigkeit der Weltgemeinschaft auswirken, das 1,5°C-Ziel zu halten.  Der Cheforganisator der Konferenz, Alok Sharma, bezeichnete die Gipfelerklärung als „einen zerbrechlichen Sieg“.

Cultural Survivals Direktorin für strategische Partnerschaften und Kommunikation und COP26-Delegierte, Daisee Francour (Oneida), erklärte: „Während die Mitgliedsstaaten nicht die notwendigen Verpflichtungen eingegangen sind, um die Treibhausgasemissionen wirklich zu reduzieren, war der Glasgow-Klimapakt das erste Klimaabkommen zur Reduzierung der Kohle, einem der Hauptverursacher des Klimawandels. Während sich mehr als 40 Länder zum Ausstieg aus der Kohle verpflichtet haben, müssen wir in unseren eigenen Regionen diese Verpflichtung nutzen, um unsere lokalen und nationalen Regierungen zu drängen, über diesen Ausstieg hinauszugehen. Das bedeutet, dass wir weiterhin Druck auf diese Regierungen ausüben müssen, damit sie auf einen echten, gerechten Übergang hinarbeiten, der dem Klima, der Wirtschaft und der sozialen Gerechtigkeit Rechnung trägt. Wir können uns keine Rückschritte leisten, während wir gemeinsam von einer neuen, grünen Wirtschaft träumen und diese mitgestalten. Wir müssen die indigene Perspektive, die Rechte und das das Recht auf freie, vorherige und informierte Zustimmung in den Mittelpunkt rücken, wenn wir künftige Systeme und Infrastrukturen etablieren, um eine nachhaltigere Zukunft zu schaffen.“

Neben zahlreichen Mitgliedstaaten, die sich dem Ausstieg aus der Kohle verpflichtet fühlen, haben sich einige der führenden kohleabhängigen Länder wie die Vereinigten Staaten, Australien, Indien und China nicht zu einem Ausstieg durchringen können. Große internationale Banken haben sich dahingegen verpflichtet, bis Ende 2021 alle internationalen öffentlichen Finanzierungen für neue Kohlekraftwerke zu beenden. Mitgliedstaaten wie Dänemark, Kanada, Italien und die Vereinigten Staaten haben zusammen mit anderen öffentlichen Finanzinstitutionen eine gemeinsame Erklärung verfasst, in der sie sich verpflichten, die internationale öffentliche Unterstützung für den Energiesektor mit fossilen Brennstoffen bis Ende 2022 zu beenden.

Der Artikel 6

Ein Schwerpunkt der Verhandlungen war der Artikel 6 des Pariser Abkommens, der damals nicht schlussendlich geklärt wurde. Der Artikel 6 dient als Regelwerk für die CO2-Emissionen. Er legt einen Mechanismus fest, wie die CO2-Emissionen berechnet bzw. verbucht werden sollen. Er legt die Regeln für den Einsatz von Kohlestoffmärkte, Emissionsreduzierung und nationale Klimapläne fest. Laut des Artikel 6 ist es den großen Umweltverschmutzern weiterhin erlaubt, durch ein System des Kohlenstoffhandels die Umwelt zu verschmutzen. „Cultural Survival ist mit Blick auf Artikel 6 nicht davon überzeugt, dass der Kohlenstoffverbrauch durch einen Marktmechanismus reguliert werden kann. Wir sind der Meinung, dass sie gänzlich abgeschafft gehören. Im Rahmen der COP26-Verhandlungen wurden diese Marktmechanismen jedoch als nichtabänderbare Lösungen getarnt. Nichtsdestotrotz beschloss die IIPFCC, innerhalb des vorgeschlagenen Rahmens zu handeln und auf die Aufnahme von Verweisen auf die Menschenrechte und die Rechte der indigenen Völker in der Formulierung des Artikel 6 zu drängen. Der endgültige Text erwähnt zwar die Notwendigkeit, die Rechte der indigenen Völker zu respektieren, aber nicht die Notwendigkeit, unsere freie, vorherige und informierte Zustimmung einzuholen“, sagt Galina Angarova (Burjatin), Cultural Survival Executive Director.

Obwohl die Lobbyarbeit der IIPFCC dazu geführt hat, dass die Menschenrechte und die Rechte indigener Völker in mehreren Bestimmungen dieses Artikels 6 genannt werden, bleibt der Gesamtwortlaut eher vage und allgemein, ohne die erhoffte Durchschlagskraft. Leider wurden andere Vorschläge der IIPFCC zur Konkretisierung  nicht berücksichtigt.

Das International Indigenous Peoples‘ Forum on Climate Change (IIPFCC) stellt daher fest: „Wir begrüßen die Einbeziehung der Rechte indigener Völker in einige Bestimmungen des Artikel 6. Wir wollten jedoch einen unabhängigen Beschwerdemechanismus und keinen Prozess wie in Artikel 6.4 definiert. Wir sind bestürzt über den Ausschluss unserer Rechte bei der Planung und Durchführung von Aktivitäten. Insbesondere die Konsultationsbestimmung in Artikel 6.4 ist unzureichend. Sie muss geltende internationale Standards einbeziehen und die Einhaltung der Rechte indigener Völker auf freie, vorherige und informierte Zustimmung sicherstellen.

Umgang mit Verlusten und Schäden

Ein weiterer Bereich, der sowohl den Vertretern indigener Völker und Entwicklungsländer Sorge bereitet, sind der Verluste und die Schäden, die durch die Auswirkungen des Klimawandels entstehen. Im Rahmen des Pariser Abkommens wurde eine finanzielle Kompensationsmöglichkeit geschaffen, die Entwicklungsländern Unterstützung gewährt, die mit Umweltschäden infolge der Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert sind. Daher war die Ausweitung dieser Möglichkeit zur Finanzierung von Verlusten und Schäden ein wichtiges Anliegen der Entwicklungsländer. Leider waren ihre Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt, da die Industrieländer ihr Veto gegen eine Erweiterung dieser Maßnahme einlegten. Nichtsdestotrotz erkennt die Schlusserklärung an, dass es bereits Verluste und Schäden gibt, die durch die Auswirkungen des Klimawandels verursacht wurden, und dass diese noch zunehmen und künftig noch größere Probleme darstellen werden.

Bemerkenswert ist Absatz 62 der Abschlusserklärung, welcher „die wichtige Rolle eines breiten Spektrums von Akteuren auf lokaler, nationaler und regionaler Ebene, einschließlich indigener Völker und lokaler Gemeinschaften, bei der Abwendung, Minimierung und Bewältigung von Verlusten und Schäden im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Klimawandels anerkennt.“

Die Hauptkritik an der Entscheidung im Bereich der Kompensation von erlittenen Verlusten und Schäden in Verbindung mit dem Klimawandel besteht jedoch darin, dass keine neuen Mittel für Entwicklungsländer vorgesehen wurden, geschweige denn für indigene Gemeinschaften, obwohl diese von den direkten negativen Auswirkungen des Klimawandels stärker betroffen sind. Es gab großen Widerstand seitens der Industrieländer gegen die Ausweitung der Finanzierung. Für viele ist dies enttäuschend, da die Industrieländer ihre Zusagen und Verpflichtungen ständig zu umgehen suchen. Ihr Versprechen, 100 Milliarden Dollar pro Jahr für den Kampf gegen den Klimawandel bereitzustellen, ist immer noch nicht erfüllt. „Es ist allgemein bekannt, dass der Kohlenstoff-Verbrauch der indigenen Völker und einiger kleiner Entwicklungsländer im Vergleich zu dem der Industrieländer minimal ist.  Die Industrieländer sind die schlimmsten Verschmutzer von Mutter Natur, aber sie können sich um ihre Verpflichtungen drücken, während die indigenen Völker die Hauptlast dieser Entscheidungen tragen müssen. Das ist gelinde gesagt ungerecht“, sagt Monica Magnusson (Q’eqchi Maya), Direktorin für Advocacy und Politik bei Cultural Survival.

Finanzierung

Die Finanzierung und der Zugang zu finanziellen Mitteln standen im Mittelpunkt der Giofle-Diskussionen. Die Staats- und Regierungschefs der Welt sagten 19,2 Milliarden Dollar für den Schutz der Wälder und die Beendigung der Entwaldung zu. In Anerkennung der unschätzbaren Rolle, die indigene Völker bei der Bekämpfung des Klimawandels spielen, sagten mehrere philanthropische Organisationen außerdem Mittel in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar zu, um die Bemühungen indigener Völker in ihrem Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen. Die IIPFCC erklärte dazu: „Wir schätzen die Zusage von 1,7 Milliarden Dollar für den Schutz von Wäldern und Land unter der Führung indigener Völker und freuen uns darauf, unsere eigenen integrativen Mechanismen zu entwickeln, die allen soziokulturellen Regionen zugute kommen… Es ist wichtig, dass indigene Völker direkten Zugang zu Finanzmitteln erhalten, anstatt Systeme, die die Finanzierung über zwischengeschaltete Organisationen leiten, die völlig unzugänglich und unzuverlässig sind. Eine zweckgebundene Klimafinanzierung für indigene Völker könnte uns dabei unterstützen, unser Wissen und unsere Praktiken zum Schutz der Erde zu erhalten, wiederherzustellen und zu verbessern, die indigene Ernährungssouveränität zu fördern, eine angemessene Struktur für Verluste und Schäden zu schaffen, um indigene Völker zu entschädigen, und die Rechte indigener Frauen und Menschen mit Behinderungen im Rahmen der Klimaagenda voranzubringen.“

Verabschiedung der Just Transition-Erklärung

In der Erkenntnis, dass die in der Schlusserklärung getroffene Entscheidung zur Begrenzung der Emissionen bei weitem nicht ausreicht, um die vorgeschlagenen Ziele zu erreichen, wurden zusätzlich mehrere Erklärungen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen verabschiedet. Von besonderem Interesse ist die Erklärung zum gerechten Übergang (Just Transition Declaration), in der die Notwendigkeit anerkannt wird, alle Menschen, insbesondere die Schwachen, in den Übergang zu einer emissionsfreien und ökologisch nachhaltigen Wirtschaft einzubeziehen.

In der Präambel der Erklärung wird anerkannt, dass die Auswirkungen des Klimawandels die schwächsten Gruppen am stärksten treffen, darunter die in Armut lebenden Menschen und die Beschäftigten in kohlenstoffintensiven Industrien und Produktionszweigen. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die Abschwächung des Klimawandels und die Anpassung an den Klimawandel integrativ sein und den am meisten gefährdeten Gruppen zugutekommen müssen, indem unter anderem eine gerechte Verteilung der Ressourcen und eine wirtschaftliche und politische Befähigung gewährleistet werden.

In der Erklärung heißt es: „Ein Engagement für die Gleichstellung der Geschlechter und den sozialen Zusammenhalt, den Schutz der Rechte indigener Völker, die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen, die Gerechtigkeit zwischen den Generationen und jungen Menschen, die Förderung von Frauen und Mädchen, die Führung und Beteiligung von Randgruppen an Entscheidungsprozessen und die Anerkennung des Wertes ihres Wissens und ihrer Führungsrolle sowie die Unterstützung kollektiver Klimaschutzmaßnahmen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen. Der soziale Dialog und die Rechte bei der Arbeit sind unverzichtbare Bausteine der nachhaltigen Entwicklung und müssen im Zentrum der Politik für ein starkes, nachhaltiges und integratives Wachstum und eine starke Entwicklung stehen.

Die Erklärung erkennt auch die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen in bestehenden und neuen Lieferketten sowie die Bedeutung der Schaffung menschenwürdiger Arbeit für alle, insbesondere für die Schwächsten, an. Sie erkennt die Notwendigkeit an, die Menschenrechte zu respektieren und den sozialen Dialog und das Engagement zwischen all jenen zu fördern, die vom Übergang zu einer grünen Wirtschaft betroffen sind, wie Regierungen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Insbesondere wird die Bedeutung der Wahrung der Menschenrechte und des Schutzes der Rechte indigener Völker sowie die Anerkennung der ILO-Konvention anerkannt. Dies ist ein Plus für die Anerkennung der Rechte der indigenen Völker, der Menschenrechte und der Arbeitnehmerrechte.

Obwohl diese Erklärung die Rechte der indigenen Völker anerkennt, hätte sie eine stärkere Formulierung der Menschenrechte enthalten können, wie z.B. die der Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker (UNDRIP) und eine Formulierung, die das Recht der indigenen Völker auf freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) bekräftigt. „Hätte die Erklärung eine stärkere Formulierung zum Schutz der Menschenrechte enthalten, hätte sie ihre Verpflichtung verdeutlicht, sich mehr auf den JUST-Aspekt des Übergangs und weniger auf wirtschaftliche Vorteile zu konzentrieren“, sagt Coc Magnusson. Da dies nicht der Fall ist, müssen indigene Völker wachsamer sein und die Staaten weiterhin zur Rechenschaft ziehen, um sicherzustellen, dass die UNDRIP- und FPIC-Standards in ihren Territorien umgesetzt werden.

Die zahlreichen Erklärungen, die abgegeben wurden, sind für die Unterzeichner rechtlich nicht bindend. Der Vorteil und Nutzen von Erklärungen bestehen darin, dass sie die Absicht der Vertragsparteien verdeutlichen und zumindest eine moralische Verpflichtung schaffen.  Dies wird mit der Unterstützung oder dem Druck der Zivilgesellschaft, lokaler Gemeinschaften und indigener Völker stärker werden, bis Veränderungen eintreten. „Jetzt werden sich indigene Völker und andere Bewegungen mehr denn je zusammenschließen müssen, um Druck auf die Staaten auszuüben, damit sie die Rechte indigener Völker, die Menschenrechte und das FPIC respektieren.  Parallel zu diesem Prozess ist es wichtig, über den Konsum in unseren Haushalten nachzudenken, insbesondere in den Industrieländern, da die Verbraucher hier die Endverbraucher dessen sind, was durch den Extraktivismus produziert wird. Immer wieder hörte ich die Ältesten auf der COP26 sagen: ‚Nehmt nur das, was ihr braucht und nutzt es weise'“, sagt Avexnim Cojti, Cultural Survival Director of Programs.

In Anbetracht des allgemeinen Mangels an Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise, der sich in den Beschlüssen, Pakten und Erklärungen der COP26 widerspiegelt, haben die indigenen Völker erkannt, dass es noch viel mehr zu tun gibt.  Ein Großteil dieser Arbeit, wie z.B. die Einhaltung der Verpflichtungen der Mitgliedsstaaten, wird auf unseren Schultern lasten.

Wir sind uns bewusst, dass wir als indigene Völker härter arbeiten und unsere Anstrengungen sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene verstärken müssen, wenn wir den Kampf gegen den Klimawandel gewinnen wollen.

Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um sicherzustellen, dass unsere lokalen indigenen Gemeinschaften die Finanzmittel erhalten, die sie benötigen, um ihr Land weiterhin auf nachhaltige und umweltverträgliche Weise zu bewirtschaften.

Wir werden uns weiterhin für ihre kollektiven Rechte auf Land und Ressourcen einsetzen.

Wir sind uns jedoch bewusst, dass wir auf globalen Konferenzen so viel reden können, wie wir wollen, aber die wirklichen Auswirkungen und Veränderungen werden nur auf lokaler Ebene stattfinden. „Lokale Resilienz erfordert lokales traditionelles Wissen.“

Wir können eine globale Krise nicht angehen, ohne uns auf lokale, ortsbezogene Lösungen zu konzentrieren“, erklärte Galina Angarova (Burjat), Geschäftsführerin von Cultural Survival.

Die Unterstützung indigener Gemeinschaften auf lokaler Ebene stärkt und bereichert das regionale Ökosystem und die Gesundheit des regionalen Ökosystems hat Auswirkungen auf die umliegenden Ökosysteme. Dies stärkt das zusammenhängende und voneinander abhängige Netz der Ökosysteme (oder das Netz des Lebens), und das traditionelle Wissen der indigenen Völker ist der Katalysator für den Klimaschutz, den unsere Welt dringend braucht.

Wir von Cultural Survival fühlen uns den indigenen Gemeinschaften, mit denen wir zusammenarbeiten, verpflichtet und wollen unsere Bemühungen um die Förderung und den Schutz der Rechte der indigenen Völker und der Menschenrechte weiter ausbauen.

Übersetzung: Jan Diedrichsen

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