Bizarrer Streit: Tschetschenien droht Türkei mit Öcalan-Statue in Grosny  

Von Jan Diedrichsen

Der tscheschenische Diktator Ramsan Kadyrow, Staatschef der autonomen Republik Russlands, drohte in der vergangenen Woche, als Vergeltung für die Benennung eines Parks in der Türkei nach dem getöteten tschetschenischen Führer Dschochar Mussajewitsch Dudajew, seinerseits eine Statue des Gründers der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), Abdullah Öcalan, errichten zu wollen.

Anfang dieses Monats wurde in der nordwesttürkischen Provinz Kocaeli ein großer Park nach Dschochar Dudajew benannt, dem verstorbenen tschetschenischen Politiker und ehemaligen Luftwaffengeneral der UdSSR, der 1991 einen Staatsstreich gegen die örtliche Regierung durchführte und die Unabhängigkeit Tschetscheniens von der Russischen Föderation verkündete. Er wurde der erste Präsident des unabhängigen Tschetscheniens.

Dudajew, der 1996 durch einen russischen Bombenangriff getötet wurde, wird in der Türkei für seinen Freiheitskampf gegen Russland / Sowjetunion verehrt. Während Kadyrow in der tschetschenischen Diaspora, die zu großen Teilen in der Türkei lebt, kaum beliebt ist, wird Dudajew als Held und Märtyrer verehrt – nicht nur von tschetschenischen und anderen kaukasischen Migranten. Der tschetschenische Aufstand, insbesondere der erste Tschetschenienkrieg 1994-96, fand in der türkischen Öffentlichkeit großen Widerhall. Dudajew erhielt Unterstützung von der türkischen Regierung, einschließlich des Satellitentelefons, das den russischen Streitkräften schließlich half, seinen Aufenthaltsort zu ermitteln und ihn durch einen Raketenangriff zu töten. Mehrere Orte in der Türkei sowie in Georgien, Polen, Litauen, Lettland, Estland, der Ukraine und Bosnien-Herzegowina wurden nach Dudajew benannt.

Kadyrow ist für seine bedingungslose Loyalität gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bekannt. Er erklärte in der vergangenen Woche in einer Botschaft auf Telegram, dass die Dissidenten aus Tschetschenien, die bei der Eröffnung des Parks in der Türkei anwesend waren, nichts anderes als „Terroristen“ seien. Er forderte den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf: „Entscheiden Sie sich! Entweder Sie erhalten den Status eines Staates, der öffentlich Terroristen unterstützt, oder Sie setzen sich für transparente und ehrliche Beziehungen mit der Russischen Föderation ein.“

Er fügte hinzu, dass er sich revanchieren könne, indem er in der Hauptstadt seiner Region, Grosny, eine Öcalan-Statue errichte.  „Es ist ganz logisch und politisch ’spiegelbildlich‘ von unserer Seite, in Grosny den Namen des Gründers der Arbeiterpartei Kurdistans, Abdullah Öcalan, zu verewigen, der eine lebenslange Haftstrafe in einem der türkischen Gefängnisse verbüßt“, drohte er.

Kadyrow, der für seine tyrannische Herrschaft bekannt ist, kam 2007 an die Macht, nachdem sein Vater bei einer Bombenexplosion ums Leben gekommen war. Anders als Dudajew hat seine Familie gegen die Unabhängigkeit Tschetscheniens von Russland gekämpft.

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