Atomkraft eine „grüne Energie“: Europäische Kommission legt Taxonomie-Entwurf vor – Uran kommt aus der Erde und zerstört die Welt der indigenen Völker  

Von Jan Diedrichsen

Es ist beschämend, wenn die Europäische Kommission wenige Stunden vor dem Jahresausklang in ihrem mit Spannung erwarteten Entwurf für einen Rechtsakt zur Taxonomie die Atomkraft als „grüne Energie“ definiert. Das Wort Uran kommt jedoch in dem 60 Seiten starken Papier nicht einmal vor.

Wie so oft werden neben den hohen Sicherheitsrisiken und der ungelösten Abfallproblematik vergessen, dass die Atomkraft als Brennstoff auf Uran angewiesen ist und dieser aus der Erde kommt – die indigenen Völker der Welt wissen ein Lied von „der grünen Energie“ zu singen, leiden sie doch seit Jahrzehnten an dem Abbau.

 

VOICES – berichtete

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VOICES-Podcast

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Die sog. Taxonomie legt fest, welche wirtschaftlichen Aktivitäten in der Europäischen Union klima- und umweltfreundlich sind und welche nicht. Diese Auflistung hat großen Einfluss auf die Investitionen und den damit zusammenhängenden Finanzströmen. Bürger und Investoren erhalten durch die Taxonomie Informationen über nachhaltige und klimafreundliche Finanzprodukte. Damit sollen auch die für die Investitionen in die Klimawende benötigten Milliarden aufgebracht werden.

Ein Großteil des Urans wird auf dem Land der Dene und Cree in Kanada sowie der Aboriginal Australians gefördert – in der Regel gegen deren Willen. Etwa 95 Prozent des in der EU verbrauchten Urans wird importiert. Die Importe stammen aus Russland (19,8 Prozent), Kazakhstan (19,6 Prozent), Niger (15,3 Prozent), Australien (14,4 Prozent), Kanada (11,5 Prozent) und Namibia (9,6 Prozent).

In Kanada wird Uran seit Jahrzehnten im Norden der Provinz Saskatchewan abgebaut: Seit Beginn des Uranbergbaus gibt es Widerstand von den dort lebenden First Nations Dene und Cree, die ihre Landrechte verletzt sehen.

In Australien sind Aboriginal-Völker vom Uranbergbau betroffen. Mehrere (inzwischen teilweise geschlossene) Uranbergwerke liegen auf dem Gebiet von Aboriginal-Völkern, deren Landrechte missachtet wurden. Die Mirarr, auf deren traditionellem Gebiet das Ranger-Uranbergwerk liegt, klagen seit Jahrzehnten über massive Auswirkungen auf die Gesundheit.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Mit dem Taxonomie-Entwurf scheint ein jahrelanger Streit zwischen den Regierungen beendet zu sein, welche Investitionen aus europäischer Sicht klimafreundlich sind. Frankreich hatte sehr viel politisches Gewicht in die Waagschale geworfen, um die Atomkraft als „grüne Energie“ zu definieren. Deutschland hat sich für Erdgas als „grüne Brückentechnologie“ stark gemacht.

Die EU-Mitgliedsstaaten und ein Gremium von Sachverständigen werden den Vorschlagsentwurf prüfen, der sich noch ändern kann, bevor die Taxonomie Mitte Januar dem Europaparlament als Rechtsakt präsentiert werden. Es bräuchte unter den EU-Mitgliedsstaaten eine sogenannte qualifizierte Mehrheit, um das Vorhaben noch zu stoppen.

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