Armee-Regisseur Kusturica: Vom Film zum russischen Armee-Theater

Auf Vorschlag des russischen Verteidigungsministers Schoigu wird Emir Kusturica Intendant des Theaters der russischen Armee. Schoigu leitet den Angriffskrieg seiner Armee in der Ukraine.

Von Wolfgang Mayr

Verteidigungsminister Schoigu betonte die langjährige freundschaftliche Beziehung zu Kusturica. Besonders angetan ist der russische Kriegsherr vom Engagement Kusturicas „bei der Bewahrung und Entwicklung der besten Traditionen der russischen Kultur“. Kein Wunder. Kusturica sagte in einem Interviews 2017, dass die besetzte Krim ein Teil Russlands und nicht der Ukraine ist.

Der so geehrte Kusturica bedankte sich beim russischen Kriegsminister für das Vertrauen und bezeichnete das Angebot als eine große Ehre. Die Bühne des Armee-Theaters hat laut Kusturica eine lange Geschichte und reiche Traditionen.

Kusturica wurde mit Filmen wie Papa ist auf DienstreiseArizona DreamSchwarze Katze, weißer Kater oder Underground bekannt. Er gewann zweimal die Goldene Palme in Cannes. Kusturica betonte, sich im Theater in einer schnelllebigen, sich dauernd verändernden Welt an „klassische Werte“ halten zu wollen. An „russische Werte“? An anti-westlichen Werten, die der russische Präsident Putin radikal pflegt? Kusturica dient sich Putin und seiner Politik regelrecht an, solidarisierte sich mit dem Propaganda-Sender Russia Today.

Der neue Intendant des russischen Armee-Theaters will seinen Film „Das Leben ist ein Wunder“ auf die Bühne bringenDarin geht es um die Erfahrungen einer Familie im Bosnienkrieg der 1990er-Jahre und die Liebesbeziehung eines serbisch-orthodoxen und muslimischen Paares. Kusturica wollten mit diesem Film den Irrsinn des Krieges aufzeigen und wendet sich gegen den Nationalismus. Er ließ aber offen, welchen Nationalismus er meint. Den serbischen Nationalismus, der Bosnien zerstörte oder den bosniakischen Nationalismus, der sich gegen die Vereinnahmung aus Belgrad und Banja Luka wehrte. Wie jetzt die Ukraine gegen Russland.

Emir Kusturica entpuppte sich als radikaler „Groß-Serbe“, keineswegs als Gegner des Nationalismus. Deshalb ist Kusturica seit vielen Jahren höchst umstritten. Er ergriff immer wieder Partei für das Projekt Groß-Serbien, sympathisierte unverhohlen mit den Kriegsverbrechern Slobodan Milošević und Radovan Karadžić und lehnte die Bosnien-Politik der westeuropäischen Mächte ab. Kusturica bezeichnete sich als Jugoslawe, kritisierte kroatische und bosniakische Politiker als die Zerstörer Jugoslawiens.

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