Angehörige der griechischen Minderheit bei russischen Angriffen getötet

Griechenland teilt mit, dass zehn Mitglieder der griechischen Minderheit in der Nähe von Mariupol in der Ukraine bei drei separaten Angriffen durch russischen Beschuss getötet worden sind.

Traditionelle griechische Trachten im Museum der griechischen Priazovya in Sartana, Mariupol

 Von Jan Diedrichsen

In dem Dorf Sartana am Stadtrand von Mariupol wurden bei zwei Angriffen sechs Angehörige der griechischen Minderheit in der Ukraine getötet. Das Dorf Sartana liegt am Ufer des Flusses Kalmius in der Oblast Donezk, Ukraine. Es gehört verwaltungstechnisch zum Rajon Kalmius der Stadt Mariupol. Vier weitere Angehörige der griechischen Minderheit wurden im Dorf Buhas, nördlich von Mariupol, getötet.

Die Todesfälle ereigneten sich, als die russischen Streitkräfte an der Südfront der Ukraine gegen Mariupol vorrückten.

Das griechische Außenministerium gab eine Erklärung ab, in der es sein Entsetzen über den Vorfall zum Ausdruck brachte. Die russische Botschaft in Athen erklärte ihre „tiefe Trauer“ und fügte hinzu, dass „Russlands spezielle Militäroperationen in der Ukraine ausschließlich auf militärische Einheiten und Infrastruktur abzielen.“

„Wir bombardieren keine bewohnten Gebiete und Dörfer und auch keine politische oder soziale Infrastruktur. Die russischen Luft- und Raumfahrtkräfte waren heute nicht in der Region des Dorfes Sartana im Einsatz“, hieß es in einer Erklärung. Sie fügte hinzu, dass „das Kiewer Regime möglicherweise die in der Ukraine lebenden Griechen und andere ethnische Minderheiten benutzt, um die antirussische Reaktion im Ausland zu provozieren und zu schüren“.

Doch die russische Propaganda verfängt nicht, weder in Athen noch unter den Angehörigen der griechischen Minderheit, die wissen, wer in diesen Tagen für die zahlreichen Kriegsverbrechen verantwortlich ist.

Griechische Minderheit in der Ukraine

Die griechische Minderheit in der Ukraine, auch Krim-Griechen genannt, leben überwiegend in dem Oblast Donezk und vor allem in der Umgebung der Stadt Mariupol.

Nach der ukrainischen Volkszählung von 2001 lebten 91 548 Angehörige der griechischen Minderheit in der Ukraine, Schätzungen gehen aber von mindestens 150.000 Angehörigen aus. Die überwiegende Mehrheit von ihnen lebt in der Oblast Donezk. Weitere kleine Gruppen von Griechen leben in Odessa und anderen Großstädten. Die meisten Griechen in der Ukraine gehören zu der größeren griechischen Diaspora, die als pontische Griechen bekannt ist.

Der starke Rückgang in den vergangenen Jahrzehnten wird mit der von der Sowjetregierung erzwungenen Assimilierung erklärt.

Eine griechische Präsenz im gesamten Schwarzmeergebiet gab es schon lange vor den Anfängen der Kiewer Rus. Die Griechen der heutigen Ukraine sind hauptsächlich die Nachkommen verschiedener Wellen vor allem pontisch-griechischer Flüchtlinge und Migranten, die die Region Pontus und die pontischen Alpen im Nordosten Anatoliens zwischen dem Fall des Reiches von Trebizond im Jahr 1461 und dem Russisch-Türkischen Krieg von 1828-1829 verlassen haben.

Viele kamen gleichfalls als griechische kommunistische Flüchtlinge aus Mazedonien und anderen Teilen Nordgriechenlands, die nach dem griechischen Bürgerkrieg 1946-1949 aus ihrer Heimat geflohen waren und sich in der UdSSR, der Tschechoslowakei und anderen Ostblockstaaten niederließen. Doch auch unter diesen Spätankömmlingen gab es viele, die als pontische Griechen oft Vorfahren hatten, die in den südlichen Gebieten des russischen Reiches gelebt hatten.

(Februar 2022, jd.)

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