Kieler Landtag will Geschichte der Sinti und Roma aufarbeiten

Die Minderheit der Sinti und Roma aus Schleswig-Holstein ist seit 2012 durch die Landesverfassung geschützt. Sie gehören fest verankert zum Minderheiten-Kosmos des nördlichsten Bundeslandes, das ebenfalls die dänische Minderheit und die Friesen beheimatet.

Ministerpräsidenten Torsten Albig, Zentralratsvorsitzender Romani Rose, Landesvorsitzender Matthäus Weiss, Minderheitenbeauftragte Renate Schnack. 2012 nach der Abstimmung über die Aufnahme der Sinti und Roma in die Schleswig-Holsteinische Landesverfassung.

Von Jan Diedrichsen
 
Die Minderheit der Sinti und Roma aus Schleswig-Holstein ist seit 2012 durch die Landesverfassung geschützt. Sie gehören fest verankert zum Minderheiten-Kosmos des nördlichsten Bundeslandes, das ebenfalls die dänische Minderheit und die Friesen beheimatet. Das war nicht immer der Fall, aber die Solidarität zwischen den Minderheiten ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, so auch die persönlichen Verbindungen.  Das gilt nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern bundesweit; was sich nicht zuletzt in der fruchtbaren Zusammenarbeit aller autochthonen Minderheiten Deutschlands (Dänen, Friesen, Sinti und Roma, Sorben) im Minderheitenrat in Berlin zeigt.
 
Doch es gibt zahlreiche Leerstellen, nicht zuletzt mit Blick auf die Geschichte der Sinti und Roma in Schleswig-Holstein. Wie sehr das Nichtwissen, die Ignoranz und der weitverbreitete Hass gegen Angehörige einer Minderheit reichen können, dafür haben selbstredend Angehörige von Minderheiten eine besondere Sensibilität.  Es ist daher auch nicht weiter verwunderlich, dass es einer Initiative der Partei der Dänen und Friesen vom Südschleswigschen Wählerverband (SSW) zu verdanken ist, dass sich der Kieler Landtag auf seiner letzten Plenartagung mit dem Thema der Sinti und Roma befasst hat. Der SSW-Fraktionschef, der Friese, Lars Harms, erläuterte: „Nur die wenigsten Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner kennen die Sinti-Kultur, wissen um die kulturellen und sprachlichen Schätze dieser Minderheit. Sie können, wenn es hochkommt, allenfalls Klischees benennen. Aber ein authentisches Bild abseits von Zuschreibungen von außen kennt kaum jemand. Erstaunlich, wie diese Ignoranz sich hält. Sinti leben schon seit über 600 Jahren in Schleswig-Holstein“, so der SSW-Abgeordnete.
 
Der Schleswig-Holsteinische Landtag beschloss, unterstützt von allen demokratischen Parteien (hier der Wortlaut des Antrages), die Geschichte der Sinti und Roma in Schleswig-Holstein aufzuarbeiten. Schwerpunkt sind Verfolgung und Vertreibung im Nationalsozialismus. SPD und SSW hatten die Initiative eingereicht und fanden bereitwillige Unterstützung bei CDU, Grünen und FDP. In Absprache mit Vertretern der Sinti und Roma soll ein Forschungsprojekt starten.
 
Hass auf Sinti und Roma sowie deren Diskriminierung haben sich über Jahrhunderte in Europa entwickelt und seien in der Gesellschaft noch heute tief verwurzelt, heißt es zur Begründung. Sinti und Roma sind seit dem 15. Jahrhundert in Schleswig-Holstein ansässig. Die systematische Verfolgung und der Völkermord an Sinti und Roma seien noch nicht umfassend aufgearbeitet.
 
Während des Nationalsozialismus fielen über 500.000 Sinti und Roma im besetzten Europa dem Holocaust zum Opfer. Auch etwa 400 aus Schleswig-Holstein kehrten aus den Lagern der Nazis nicht zurück. Heute leben in Deutschland rund 60.000 deutsche Sinti und 10.000 Roma, in Schleswig-Holstein Schätzungen zufolge 6000, vor allem in Kiel und Lübeck sowie im Raum Flensburg und im Hamburger Umland.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

Zurück zur Home-Seite