Afrikanische Lichtblicke

Einigen Staaten ist es gelungen, Perspektiven zu schaffen, für Mehrheiten und Minderheiten. Das online-Magazin Africa-live  stellt einige dieser erfolgreicheren Versuche vor.

Von Wolfgang Mayr

Für internationale Schlagzeilen sorgen üblicherweise andere Ereignisse, wie Staatsstreiche. In den vergangenen zwei Jahren zählte Africa-Live gleich sechs Putsch-Versuche, in Mali, Tschad, Guinea, Sudan und Burkina Faso.

Die US-amerikanischen Politikwissenschaftler Jonathan Powell und Clayton Thyne haben laut Africa-live mehr als 200 Putschversuche seit den 1950er Jahren gezählt. Oft putschten Militärs gegen korrupte Politiker, Vetternwirtschaft und Wahlmanipulation. Der Applaus der Demonstranten war den Putschisten sicher. Die ihrerseits versanken ebenfalls Brutalität, Korruption und Vetternwirtschaft.

„Es gibt aber auch Staaten – zugegeben – wenige Staaten, die gut abschneiden, weil sie die Interessen und Nöte des Volkes halbwegs ernst nehmen“, schreibt Africa-Live und zitiert Volker Seitz und seine Analyse „Staatsstreiche, aber auch Lichtblicke in Afrika“.

Botswana gilt als eines der stabilsten Länder Afrikas. In dem südafrikanischen Land leben acht große Volksgruppen. Trotzdem wuchs das Land zusammen. Vorhanden sind die nötige Infrastruktur, eine gute Bankeninfrastruktur, Gesundheitszentren und ein funktionierendes Internet.

Kap Verde zählt zu den wenigen gefestigten Demokratien in Afrika. In der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit – auch ein Zeichen für Machtkontrolle – von „Reporter ohne Grenzen“ liegt Kap Verde noch vor Australien, Portugal, Spanien und Frankreich. Die geringen natürlichen Ressourcen und der Wassermangel schränken die Entwicklungsmöglichkeiten ein. Der Archipel ist seit Jahren ein beliebtes Touristenziel.

Auch Ruanda entspricht – stellvertretend – auch nicht mehr dem Bild des hoffnungslosen Kontinents. Unter der Führung des Präsidenten Paul Kagame wurde Ruanda zu einem Vorzeigebeispiel für ein Land, das vorwärtskommt, ein seltener Lichtblick. Der öffentliche Nahverkehr gilt als einer der modernsten in ganz Subsahara-Afrika.

Die Wirtschaft der jungen Nation boomt und die Lebenserwartung verdoppelte sich in den letzten zwei Jahrzehnten. Spürbar gesenkt werden konnte der Anteil der Bevölkerung, die unterhalb der Armutsgrenze lebt: Um zwölf Prozentpunkte auf 45 Prozent gesenkt werden. Immer mehr in den Kriegswirren ausgewanderte Ruander kommen zurück.

Fast die Hälfte der staatlichen Ausgaben fließen in Gesundheit und Bildung. Ruanda hat eine Einschulungsrate von nahezu 100 Prozent. Ruanda hat eine hohe Bildungsinfrastruktur. Das Land hat nach dem Völkermord das Beste aus der Situation gemacht. In der Nachkriegszeit mussten Frauen Führungsaufgaben in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen und für den Wiederaufbau sorgen.

Betrachtet man die gesamte westafrikanische Region, ist Senegal seit der Unabhängigkeit 1960 von Frankreich ein politisch stabiles Land, das stolz auf seine demokratische Tradition ist. Seine politische Stabilität zieht Investoren an. Senegal ist ein Vorbild für das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung gehören dem Islam an.

Das Land ist bislang von Terror verschont geblieben, Ethnien und Religionen leben weitgehend friedlich miteinander. Die Bruderschaften kämpfen gegen extremistische Strömungen, werben für Frieden und Toleranz. Die Bruderschaften sorgen für Stabilität und sozialen Zusammenhalt. Sie bieten Wirtschaftsnetzwerke und soziale Absicherung.

Mauritius ist eine der wenigen Erfolgsgeschichten in Afrika. Es ist eine rechtsstaatliche Demokratie. Der Inselstaat Mauritius gehört auch zu den am Besten regierten Ländern in Afrika. Das Land belegt Spitzenplätze im Economic Freedom Index, im Doing Business Ranking und beim Korruptionswahrnehmungsindex. Mauritius hat die höchste Lebenserwartung aller Staaten in Sub-Sahara-Afrika und mit 1,5 Kindern pro Frau die niedrigste Geburtenrate.

Mauritius ist ein Vielvölkerstaat. Die indischstämmige Bevölkerung stellt die Mehrheit, ein Drittel sind Kreolen und Afrikaner. Die meisten Bewohner sind Hindus, ein Drittel sind Christen und es gibt eine muslimische Minderheit. Die Insel, mit einer Einwohnerzahl von etwas mehr als Köln, ist demokratisch, rechtsstaatlich, friedfertig (ohne Militär) und weltoffen.

Africa-live sieht in den eigenen Antriebskräften der Bevölkerungen der erwähnten Staaten den Grund für die demokratische und wirtschaftliche Stabilität. Anderswo in Afrika nur ein Traum. „Es sind Länder, die bescheidenen Wohlstand bieten, zu dem auch Sicherheit – und damit auch keine Staatsstreiche – gehört. Um dies zu erreichen, bedurfte es starker und verantwortungsbewusster Institutionen, Standards und Denkweisen. Was sich dort in den letzten Jahren getan hat, nötigt Respekt ab,“ findet Africa-Live.

Diese gelungenen Beispiele sind Anlass für den Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs, auf eine Reform der Entwicklungshilfe zu drängen: Land und Leute stärken wie auch ihre Wirtschaft und Demokratie, die eigenen Fähigkeiten fördern und den verkappten europäischen Kolonialismus beenden. Einer der Mitwirkenden, der langjährige Mitarbeiter des deutschen Außenministeriums, ist Volker Seitz. Er warnte eindringlich davor, mit der falsch konzipierten „Entwicklungspolitik“ Afrika arm zu regieren. Seitz ist Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“.

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